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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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des Menschen mit sich selbst gibt, wie es nach dem früher Ge-sagten ein Unrecht des Menschen gegen sich selbst gibt. Diesesletztere schien freilich nicht möglich zn sein, da ja znm Unrecht-thun zwei gehören, einer der Unrecht thnt, und einer, der Unrechtleidet, während das Individuum nur Eine Person ist. Alleinunsere Behauptung ist doch richtig, sofern wir nur auf die ver-schiedenen Theile der Seele sehen; da es nemlich mehrere solcheTheile gibt, so tritt das Unrecht gegen sich selbst dann ein,wenn diese Theile nicht einig sind. Ebenso nun wird es auchsein mit der Freundschaft des Menschen gegen sich selbst. Wollenwir einen besonders hohen Grad von Freundschaft bezeichnen, sosagen wir:meine Seele und die Seele des Freundes sindeigentlich Eine und dieselbe Seele"; da nun die Seele mehrereTheile hat, so, wird die Seele dann Eine sein, wann die Ver-nunft und die Affekte in Harmonie mit einander sind. So ent-steht die Einheit der Seele. Ist nun diese Einheit vorhanden,dann ist Freundschaft mit sich selbst da; diese Freundschaft aberkommt dem Tugendhaften zu; denn nur bei diesem stehen dieeinzelnen Theile der Seele im richtigen Verhältniß zn einander,indem sie nicht uneinig unter einander sind. Der Schlechte kannja doch nie sein eigener Freund sein, weil er immer mit sichselbst im Kampfe liegt. Wenigstens empfindet der Unmäßige,wenn er seiner Lust nachgegeben hat, bald darauf Rene undmacht sich selbst Vorwürfe. Ebenso verhält sich der Schlechteauch sonst, welches nun auch sein Laster sein mag: er ist be-ständig im Widerspruch und im Streit mit sich selbst begriffen.

Die Freundschaft beruht aber auch auf Gleichheit; so z. B.die Freundschaft zwischen Kameraden, und zwar bezieht sich dieseGleichheit ans die Menge und auf die Bedeutung des Guten.Hier kann keiner von beiden einen Vorzug verlangen, weder inBeziehung auf die Menge der Güter, noch in Beziehung aufden Werth, noch in Beziehung ans die Größe, sondern hierherrscht die Gleichheit. Die Kameraden wollen ja einander ebengleich sein. Auf Ungleichheit dagegen beruht das Verhältniß desVaters znm Sohn, des Unterthancn znm Herrscher, des Stärke-ren znm Schwächeren, des Weibes zum Mann, überhaupt jedes