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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
89
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sunde nicht gesund ist. Wenn nemlich Reichthum und Herrschaftdem Besitzer schaden, so sind sie nicht wünschenswerth, vielmehrwird er das zu besitzen wünschen, was ihm nicht schadet. EinMensch aber, der sich scheut vor dem Guten und demselben ans-weicht, kann nicht wohl als sittlich vollendet bezeichnet werden,dieß ist vielmehr nur derjenige, für welchen alles objektiv Gutegut ist und der sich dadurch nicht verderben läßt, wie z. B. durchReichthnm und Herrschaft.

Zehntes Kapitel.

Vom tugendhaften Handeln.

Wir haben nun gesprochen von dem richtigen, der Tugendentsprechenden Handeln, doch ist das Gesagte noch nicht genügend.Wir haben nemlich gesagt, dieses Handeln bestehe darin, daßman in einer der richtigen Vernunft entsprechenden Weise handle.Nun versteht vielleicht der eine oder andere gerade diese Bestim-mung nicht und sieht sich daher zu der Frage veranlaßt, was denngesagt sei mit dem Ausdruckin einer der richtigen Vernunftentsprechenden Weise" und wo denn die richtige Vernunft zusuchen sei? Man kann nun sagen: das der richtigen Vernunftentsprechende Handeln findet statt, wenn der unvernünftige Theilder Seele den vernünftigen nicht hindert, in seiner eigenen Weisethätig zu fein. Dann eben findet das fragliche Handeln statt.Zn der Seele haben wir ja einen schlechteren und einen besserenTheil zu unterscheiden; der schlechtere ist stets um des besserenwillen da. So ist es ja auch bei dem Verhältniß von Leib undSeele: der Leib ist um der Seele willen da, und wir werdendann dem Leib die richtige Beschaffenheit zuerkennen, wenn er sobeschaffen ist, daß er kein Hinderniß ist, sondern dazu beiträgtund antreibt, daß die Seele die ihr znkommende Thätigkeit aus-nbe; denn das Schlechtere ist um des Besseren willen da undsoll dem Besseren zu Diensten sein. Wenn nun so die Affekteden Geist nicht hindern, seine eigene Thätigkeit auszuüben, dannist das der richtigen Vernunft entsprechende Handeln vorhanden. Gut, sagt man, aber die weitere Frage ist die: wie müssen