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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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liche Vernunft zu den ebenfalls hinsichtlich ihrer eigenthümlichenTüchtigkeit in gutem Zustand befindlichen Affekten im richtigenVerhältniß stehe und umgekehrt, die Affekte zur Vernunft; unterdieser Voraussetzung werden sie mit einander harmonireu, sodaß die Vernunft immer das Beste vorschreibt, die Affekte aber,weil sie in gutem Zustand sich befinden, gern den Anordnungender Vernunft sich fügen. Wenn nun die Verminst in schlechtemZustand sich befindet, die Affekte aber in gutem, so ist gar keineTugend vorhanden, da die Vernunft fehlt. Denn die Tugendsetzt ja beides voraus. Also ist auch kein Mißbrauch der Tugendmöglich. Ueberhaupt kann man nicht sagen, wie Manche an-nehmen, daß die Vernunft Princip und Führerin der Tugendsei, dieß sind vielmehr die Affekte. Es muß nemlich zuerst eingewisser unvernünftiger Trieb zum Guten vorhanden sein,was auch wirklich der Fall ist und darauf hin muß die Ver-nunft eintreten, indem sie abstimmt und entscheidet. Man kanndieß wahrnehmen an den Kindern und den unvernünftigen Ge-schöpfen. In diesen bilden sich ja ohne die Vernunft zuerst ausden Affekten hervorgehende Triebe zum Guten; die Vernunft trittdann später hinzu und gibt ihre Stimme dazu und bewirkt sodie Ausführung des Guten. Wenn dagegen von der Vernunftaus der erste Schritt zum Guten geschieht, so gehen die Affektenicht ohne weiteres mit, vielmehr stehen sie oft dagegen im Wi-derspruch. Darum ist wohl eher der in gutem Zustand befind-liche Affekt Princip der Tugend, als die Vernunft.

Achtes Kapitel.

Vom Glück und seinem Verhältniß zur Glückseligkeit.

h Da unsre Untersuchung die Glückseligkeit zum Gegenstand's hat, so schließt sich hier die Frage vom äußeren Glück an. Manidentifizirt nemlich oft das Glück mit der Glückseligkeit oder denktsich wenigstens die letztere nicht ohne das erstere, und vielleichtist dieß richtig. Denn freilich ist ohne die äußeren Güter, über. welche der Zufall verfügt, keine Glückseligkeit denkbar. Daher