das Handel», überhaupt ist ein Handeln nicht denkbar ahne diedaraus entspringende Lust.
Ein andrer Einwnrf war der, daß keine Wissenschaft Lusthervorbringe. Aber auch diese Behauptung ist unbegründet. Lustwird ja doch hcrvorgcbracht non denjenigen, welche ein Mahl,welche Kränze und Salben zu bereiten verstehen. Und auch beiden übrigen Wissenschaften ist die Lust nicht als Zweck zu den-ken, sondern sie sind nur mit Lust verbunden und ohne Lustnicht denkbar; es gibt also dach auch eine Wissenschaft, welcheLust Hervorbringen kann.
Ferner wurde geltend gemacht, die Lust sei nicht das höchsteGut. Allein wenn man von diesem Gesichtspunkt ansgcht, so lkann man ebensogut auch die einzelnen Tugenden anfhcben. Soist ja der Math nicht das höchste Gut; aber ist er deßhalbüberhaupt kein Gut? das wäre doch eine widersinnige Behaup-tung. Und so ist es auch bei den andern Tugenden. Und soist auch in Betreff der Lust deßwegen, weil sie nicht das höchsteGut ist, nicht zu behaupten, daß sie überhaupt kein Gut sei.
Endlich läßt sich ein Bedenken geltend machen, wenn mauans das Gebiet der Tugenden überhaupt übergeht, in folgenderWeise: die Vernunft ist bisweilen stärker als die Affekte, z. B.beim Mäßigen; umgekehrt sind bisweilen die Affekte stärker als ^die Vernunft, z. B. beim Unmäßigen. Nun kann der unver-nünftige Theil der Seele, welcher die Schlechtigkeit enthält, stär-ker sein als die in gutem Zustand befindliche Vernunft (wie dicheben beim Unmäßigen der Fall ist), ebenso kann aber auch die bVernunft, während sie in schlechtem Zustand ist, stärker sein als sjdie Affekte, welche in gutem Zustand sind und ihre eigenthiim- :liche Tugend besitzen. In diesem Fall nun könnte es vorkam- smen, daß ein Mißbrauch der Tugend stattfände. Wer nemlich seine in schlechtem Zustand befindliche Vernunft hat und die Tu- sgend gebraucht, wird sie mißbrauchen. Allein eine solche Fol- jgerung ist doch wohl ungereimt. Man kann einem solchen Be-denken leicht entgegnen und es widerlegen aus dem, was obenüber die Tugend gesagt worden ist. Wir haben ja gesagt,Tugend sei dann vorhanden, wenn die in gutem Zustand befind-