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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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mau wohl annehmcn, daß sie ein Gut sei. Denn ein Gut istetwas, würnach Alles von Natur trachtet. Wenn also Alles nachder Lust trachtet, so muß die Lust wesentlich ein Gut sein.

Ferner soll die Lust kein Gut sein können, weil sie in man-cher Beziehung hinderlich sei. Dieser Einwand kann nun bloßauf einer falschen Auffassung beruhen. Es kann nemlich die Lust,welche aus dem Thütigsein entspringt, kein Hinderniß sein. Sollüberhaupt eine Lust ein Hinderniß sein, so könnte man etwa sagen,die aus der Trunkenheit entspringende Lust sei ein Hinderniß desHandelns. Allein auf diese Weise kann man auch sagen, eineWissenschaft sei ein Hinderniß für die andere, da es ja nichtmöglich ist, zugleich mit beiden thätig zu sein. Allein warumsoll die Wissenschaft nicht ein Gut sein, wenn sie doch die ansder Wissenschaft entspringende Lust hcrvorbringt? Und sott hierinüberhaupt ein Hinderniß liegen? Wird darin nicht vielmehr eineFörderung des Handelns liegen? Denn die Lust, welche ausdem Handeln selbst hervorgeht, treibt zu einem noch mehr ge-steigerte» Handeln. So soll der Tugendhafte gemäß der Tugendhandeln, und zwar mit Lust. Wird nun in diesem Handeln für>h» nicht ein Grund liegen, noch in stärkerer Weise thätig zu sein?Wenn er nun mit Lust handelt, so wird er tugendhaft sein, wenner aber das Gute mit Unlust thut, so ist er nicht tugendhaft.Die Unlust hat ja ihre Stelle da, wo das Handeln ein gezwun-genes ist. Wenn also jemand beim sittlichen Handeln Unlustempfindet, so handelt er gezwungen, wer aber gezwungen handelt,ist nicht tugendhaft. Allein das tugendhafte Handeln muß noth-wendig entweder mit Lust oder mit Unlust verbünde» sein, eindrittes, Mittleres, gibt es nicht. Warum das? Weil die Tu-gend auf einem Affekt beruht, der Affekt aber ans Lust oder Un-lust, was beim Mittleren nicht der Fall wäre. Man sieht also,daß auch die Tugend mit Lust und Unlust verbunden sein muß.Wenn nun jemand das Gute mit Unlust thut, ist er nicht tu-gendhaft. Also kann die Tugend nicht wohl mit Unlust verbun-den sein, folglich ist sie mit Lust verbunden. Also ist die Lustnicht nur kein Hinderniß, sondern sogar ein Förderungsmittel für

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