Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

Herstellung m,s dem widernatürlichen Zustand znm naturgemäßemdaraus fvlgt denn, daß dieß, nemlich die schlechte Lust, für dieschlechte Natur am angenehmsten sein muß. Es ist nemlich nichtebenso beim Pferd wie beim Menschen u. s. w., sondern da jadie Naturen verschieden sind, so ist auch die Lust bei jedem wie-der eine andere. Die Lust ist ja, wie gesagt, eine Wiederher-stellung, und zwar zum natürlichen Zustand. So muß denn dieWiederherstellung der schlechten Natur schlecht sein, die der gutengut. Wenn man also sagt, die Lust sei nicht gut, so ist es gerade,wie wenn man nicht weiß, was Nektar ist, und meint, die Göttertrinken Wein und es gebe nichts Angenehmeres, als den Wem.Diese Meinung ist eine Folge der Unwissenheit, und ebenso istes auch mit der Behauptung, jede Lust sei ein Werden und seinicht gut. Hier liegt der Umstand zu Grund, daß man keineandere Lust kennt, als eben die sinnliche, und daß man in dieserein Werden und nichts Gutes erkennt' daher kommt es denn,daß man überhaupt die Lust nicht für etwas Gutes gelten lassenwill. Da nun also die Lust stattfindet sowohl während derHerstellung, als auch nach der Herstellung der Natur, imerstem Fall ist sie eine aus dem Mangel entspringende Ausfül-lung, im zweiten beruht sie auf dem Sehen und Hören und der-gleichen so wird daraus folgen, daß die Thätigkeitcn der schonhergestellten Natur die besseren sind. Die Lust ist nemlich inbeiden Fällen eine Thätigkeit. Es ist somit klar, daß die ansdem Sehen, Hören und Denken beruhende Lust besser sein muß,da die sinnliche Lust ja auf einer Ausfüllung, Aufhebung einesMangels beruht.

Ferner wurde geltend gemacht, die Lust sei kein Gut, weilsie in Allem sich finde und Allen gemeinsam sei. Ein solcherEinwand wäre vielmehr am Platz, wenn es sich um den Ehrgeizund den Ehrgeizigen handelte. Der Ehrgeizige ist ja der, wel-cher etwas allein haben möchte, um dadurch einen Vorzug vorden Andern zu haben. So soll denn auch die Lust etwas Der-artiges sein, wenn man ihr den Charakter eines Guts soll bei-legen können. Allein es findet wohl eher das Gegentheil statt.Nemlich eben deswegen, weil Alles nach der Lust strebt, kann