zugleich mit dem Genuß der nöthigen Speisen und Getränke,so ist dieser Thcil der Seele in Thätigkeit und Bewegung, ebendiese Thätigkeit und Bewegung aber ist eine Lust; weil nun die-ser Theil der Seele zugleich mit dem Genuß thätig ist, oder wegendieser Thätigkeit, meint man, die Lust sei ein Werden, sofern RrGenuß etwas in die Augen Fallendes ist, der genannte Theil derSeele aber nicht sichtbar ist. Es wäre gerade, wie wenn manmeint, der Mensch sei bloß Körper, weil der Körper sinnlich wahr-nehmbar ist, während die Seele dieß nicht ist. Allein es ist dochauch die Seele da. Ebenso ist es auch dort: es gibt einen Theilder Seele, vermittelst dessen wir Lust empfinden, welcher zugleichmit dem Genuß thätig ist. Und ans diesem Grund ist keineLust ein Werden.
Ferner behauptet man, die Lust sei eine sinnlich wahrnehm-bare Rückkehr zur Natur. Allein es gibt ja auch eine Lust ohneeine solche Rückkehr. Diese Rückkehr würde nemlich darin be-stehen, daß ein natürliches Bedürfniß befriedigt, ein Mangel derNatur ausgefüllt würde. Allein es ist, wie gesagt, möglich, ohneein solches Bedürfniß' Lust zu empfinden. Das Bedürfniß istnemlich Unlust, aber Lust ist auch möglich, ohne vorhergehendeUnlust. Also ist die Lust nicht eine Rückkehr aus dem Mangelzur Natur. Ein Mangel, ein Bedürfniß ist in solchen Fällenbei der Lust gar nicht vorhanden. Wenn man also annahm,die Lust sei kein Gut, weil sie ein Werden sei, es sich aber her-ausstellt, daß keine Lust ein Werden ist, so wird daraus folgen,daß die Lust ein Gut ist.
Weiter sagt man, nicht jede Lust sei ein Gut. DiesenPunkt kann man sich nun durch folgende Betrachtung klar machen:das Gute ist nach unserer Ansicht in sämmtlichen Kategorieenvorhanden, in der Kategorie der Substanz, der Relation, derQuantität, des Wann, überhaupt überall; daraus folgt also, daßmit allen Kategorieen eine gewisse Lust unmittelbar verbunden ist.Da also das Gute in allen Kategorieen vorhanden ist, so mußauch die Lust ein Gut sein. Also, da hier das Gute ist, so auchdie Lust, nemlich die aus dem Guten entspringende Lust; somit>st jede Lust ein Gut. Zugleich erhellt hieraus, daß es verschiedene