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lens beruft inan sich darauf, daß es schlechte Arten von Lust gebe,das Gute aber sei niemals schlecht. Ferner: die Lust finde sichin Allem, im Schlechten wie im Tugendhaften, im wilden Thierund im Vieh, das Gute dagegen habe mit dem Schlechten garkeine Gemeinschaft und sei nichts so Allgemeines. Ferner: dieLust sei nicht das Beste, das Gute aber müsse das Beste sein.Endlich: die Lust sei dem sittlichen Handeln hinderlich, was aberdem sittlich Guten hinderlich sei, könne nicht ein Gut sein.
Zuerst nun müssen wir den ersten Einwand in's Auge fassen,der auf das Werden begründet ist, und diesen Einwand zu wider-legen suchen; denn er ist ganz und gar nicht richtig. Für's erstekann man gar nicht sagen, daß jede Lust ein Werden sei. Soist die Lust, welche durch's Sehen entsteht, kein Werden, ebensowenig die Lust, welche aus dem Hören und Riechen entspringt;denn hier liegt nicht ein Mangel zu Grund, wie sonst, z. B.beim Essen und Trinken. Bei den letzteren Akten entsteht dieLust aus einem Zuviel und Zuwenig, sofern entweder ein Zu-wenig ergänzt oder ein Zuviel vermindert wird, deßhalb nimmtman hier ein Werden an. Nun ist das Zuwenig wie das Zu-viel eine Unlust, also ist Unlust da, wo das Werden eine Lustist. Dagegen beim Sehen, Hören und Riechen ist jedenfalls nichtanzunehmen, daß eine Unlust vorhergehe. Niemand hat ja Un-lust empfunden, bevor er über das Sehen oder Riechen Lust em-pfand; ebenso ist es auf dem intellektuellen Gebiet möglich, daßman Lust an einer Betrachtung hat, ohne daß eine Unlust voraus-gegangen ist. Also muß es eine Lust geben. Wenn nun aber— und so lautet ja der Einwand — die Lust deßhalb kein Gutsein soll, weil sie ein Werden sei, es aber doch eine Lust gibt,welche kein Werden ist, so muß wohl die Lust ein Gut sein.Ueberhaupt aber kann man gar nicht behaupten, daß die Lust einWerden sei. Auch die Lust, welche durch Essen und Trinken ent-steht, ist ja kein Werden, es ist dieß vielmehr eine ganz unbe-gründete Behauptung. Man meint nemlich, diese Lust sei einWerden, weil die Lust entsteht zugleich mit dem Genuß vonSpeise und Trank; aber dieß ist nicht der Fall. Da es nemlicheinen Theil der Seele gibt, durch welchen wir Lust empfinden