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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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oben ') ausdrücklich unterschieden zwischen klug und gewandt. IhrGebiet ist dasselbe, aber während der Kluge im Stand ist, dasRechte zu thun, ist dich beim Gewandten nicht der Fall. Alsoder Gewandte kann wohl unmäßig sein, sofern er das thut, waser soll 2), der Kluge dagegen kann unmöglich unmäßig sein.

Siebentes Kapitel.

Von der Lust.

Wir müssen nun weiter sprechen von der Lust. Denn un-sere Untersuchung bezieht sich wesentlich auf die Glückseligkeit, vonder Glückseligkeit aber wird allgemein angenommen, daß sie ent-weder geradezu in der Lust bestehe und im angenehmen Leben,oder daß sie doch wenigstens ohne Lust nicht denkbar sei. Ja auchsolche, welche die Lust nicht gutheißen und meinen, man dürfedie Lust nicht unter die Güter rechnen, wollen doch wenigstensdie Freiheit von Unlust als ein Merkmal der Glückseligkeit fest-gehalten wissen. Die Freiheit von Unlust ist nun aber mit derpositiven Lust nahe verwandt. Deßhalb also müssen wir vonder Lust reden, nicht bloß weil es einmal allgemein so hergebrachtist, sondern weil es im Gang unserer Betrachtung sich als noth-wendig herausstcllt. Da ja eben die Glückseligkeit den Gegen-stand unserer Untersuchung bildet, die Glückseligkeit aber nachunserer schon oben aufgestellten und auch jetzt sestgehaltenen Be-stimmung die Aktualität der Tugend in einem vollkommenen Lebenist, und die Tugend mit Lust und Unlust es zu thun hat, sosind wir eben damit auf eine Besprechung der Lust geführt, daja Glückseligkeit ohne Lust nicht denkbar ist.

Zuerst nun wollen wir diejenigen Gesichtspunkte angeben,von welchen aus Manche die Behauptung aufstellen, mau dürfedie Lust nicht als ein Gut betrachten. Erstlich macht mau gel-lend, die Lust sei ein Werden, das Werden aber sei etwas Un-vollkommenes, das Gute aber dürfe nie unvollkommen sein. Zwei-

>) i. ss.

2) für lUtr'or, mit Rieckhsr.