daS Haben von Affekten, noch das Beherrschen derselben zu.Darum ist Mäßigkeit nicht Selbstbeherrschung.
Ist nun ferner der Zügellose unmäßig oder der Unmäßigezügellos? oder sind beide nicht unmittelbar zusammen zu denken?Unmäßig ist der, dessen Vernunft mit den Affekten im Kampfliegt; zügellos dagegen ist der, welcher das Schlechte thut in derWeise, daß seine Vernunft ihre Zustimmung dazu gibt. Also istder Zügellose seinem Wesen nach verschieden vom Unmäßigen undder Unmäßige ist verschieden vom Zügellosen. Ueberdieß ist derZügellose schlechter als der Unmäßige. Was nemlich in der Na-tur liegt, ist schwerer zu heilen, als was auf Gewöhnung beruht.Denn auch die Gewöhnung bekommt ja ihre Stärke erst dadurch,daß sie zur Natur wird. Das Wesen des Zügellosen besteht nuneben darin, daß er von Natur schlecht ist. Aus diesem Grundund in Folge davon ist die Vernunft in ihm schlecht. Anders isteS beim Unmäßigen; bei diesem ist die Vernunft nicht deßhalbverkehrt, weil er selber so wäre. Die Vernunft müßte nemlichschlecht sein, wenn der Unmäßige selbst von Natur schlecht wäre.Allein der Vernünftige ist offenbar schlecht durch Gewöhnung,der Zügellose dagegen von Natur und deßhalb ist der Zügelloseschwerer zu heilen. Während nemlich eine Gewöhnung durcheine andere verdrängt wird, läßt die Natur sich durch nichtsverdrängen.
Da nun der Unmäßige von der Beschaffenheit ist, daß erdaS Wissen hat und in seinem Denken nicht irre geht, da an-dererseits auch der Kluge die Qualität besitzt, daß er vermögeseiner richtigen Vernunft jegliches erwägt, so ist die Frage, obes möglich ist, daß der Kluge unmäßig ist oder nicht? Mankönnte hierüber im Zweifel sein; wenn wir uns aber an dashalten, was oben bemerkt worden ist, so wird sich finden, daßder Kluge nicht unmäßig ist. Wir haben ja den Klugen alsdenjenigen bezeichnet, welchem nicht bloß die richtige Vernunftzukommt, sondern auch die Fähigkeit, das zu thun, was dieVernunft für das Beste erklärt. Wenn aber der Kluge dasBeste wirklich thut, so ist er offenbar nicht unmäßig, sonderner ist dar, was wir gewandt genannt haben. Wir haben ja