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in seinem Denken irre geht, sondern aus den, welcher die richtigeVernunftthätigkeit hat und durch diese das sittlich Schlechte undGute unterscheidet. Unmäßig ist nun eben der, welcher dieserVernunftthätigkeit nicht gehorcht, mäßig der, welcher ihr gehorchtund nicht von den Begierden sich beherrschen läßt. Wenn z. B.jemand es nicht für schändlich hält, den Vater zu schlagen undnun die Begierde hat, dieß wirklich zu thun, so ist er, falls eres nicht thut, deßwegen nicht mäßig; also wenn in solchen Fällenweder Mäßigkeit noch Unmäßigkeit vorhanden ist, so kann auchnicht davon die Rede sein, daß die Unmäßigkeit lobenswerth, dieMäßigkeit tadelnswerth sei, wie angenommen wurde.
Die Unmäßigkeit ist nun theils eine krankhafte, theils einein der Natur liegende. Krankhaft ist sie z. B. dann, wenn je-mand, wie es bisweilen vorkommt, die Gewohnheit hat, sich Haareauszuraufen und zu zerkauen. Wenn nun jemand dieser Lustnicht nachgibt, so ist er nicht lobenswerth, so wenig als er, wenner ihr nachgibt, tadelnswerth oder wenigstens sehr tadelnswerthist. In der Natur liegt die Unmäßigkeit in Fällen wie der fol-gende : ein Sohn wurde, wie man erzählt, einst vor Gericht an-geklagt, weil er seinen Vater zu schlagen Pflege, und er habe sichnun zu seiner Vertheidigung darauf berufen, daß auch der Ge-schlagene seinen Vater geschlagen habe: in Folge hievon sei erfreigesprochen worden. Die Richter nahmen nemlich an, der Feh-ler liege in der Natur. Wenn nun jemand dem Drang, seinenVater zu schlagen, nicht nachgibt, so ist er deßwegen nicht lobens-werth. Allein solche Arten von Mäßigkeit und Unmäßigkeit bildenjetzt nicht den Gegenstand unserer Untersuchung, sondern solche,auf Grund von welchen uns Lob oder Tadel zu Theil wird.
Die Güter sind nun theils äußere Güter, wie z. B. Reich-thum, hohe Stellung, Ehre, Freunde, Ruhm, theils sind sie noth-wendig, d. h. körperlich, wie z. B. Tastsinn und Geschmackssinn.Wer nun in Beziehung auf diese körperlichen Güter unmäßig ist,der ist wohl schlechthin für unmäßig zu halten, es ist dieß einekörperliche, sinnliche Unmäßigkeit, diejenige, mit der wir es hiereigentlich zn thun haben. Nun war eben die Frage, womit esdenn die Unmäßigkeit zu thun habe? Man kann nun nicht schlecht-