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hin sagen, daß jemand in Beziehung auf die Ehre unmäßig sei.Wer nemlich hinsichtlich der Ehre unmäßig ist, verdient in ge-wisser Beziehung Lob, er besitzt ja eine Art von Ehrgeiz. Imallgemeinen aber gebrauchen wir auch in solchen Fällen die Be-zeichnung „unmäßig", setzen aber ausdrücklich hinzu „in Bezie-hung auf die Ehre, den Ruhm, den Zorn". Dagegen bei demschlechthin Unmäßigen halten wir nicht für nöthig, den Gegen-stand seiner Unmäßigkcit ausdrücklich zu bemerken, da dieser Ge-genstand an sich klar ist, auch ohne solchen Beisatz. Der schlecht-hin Unmäßige zeigt ja sein Wesen in Beziehung auf sinnlicheLust und Unlust. Daß diese das eigentliche Gebiet der Unmäßig-keit sind, zeigt sich auch aus Folgendem: der Unmäßige ist ta-delnswerth, also müssen auch die Gegenstände seiner Unmäßigkeittadelnswerth sein. Was nun die Ehre, den Ruhm, hohe Stel-lung, Geld und sonstige Dinge betrifft, worauf die Unmäßigkeitbezogen wird, so sind diese nicht tadelnswerth, dagegen sind dießdie sinnlichen Lüste, woraus also offenbar hervorgeht, daß un-mäßig im vollen Sinn des Worts derjenige ist, welcher sich densinnlichen Lüsten mehr, als recht ist, hingibt.
Von den sonstigen Arten der Unmäßigkeit ist diejenige, welchesich hinsichtlich des Zorns äußert, die tadelnswertheste, und esfragt sich daher, ob diese Unmäßigkeit im Zorn tadelnswertherist, als die Unmäßigkeit in der sinnlichen Lust? Die Unmäßig-keit im Zorn läßt sich vergleichen mit dem Diensteifer der Sklaven.Wenn der Herr sagt: „Bring' mir —", so rennen sie in ihremDiensteifer fort und bringen etwas, ohne recht gehört zu haben,was sie bringen sollen, und so bringen sie oft etwas Falsches;oft sollten sie ein Buch bringen und bringen dafür einen Griffel.Ebenso ergeht es dem, welcher im Zorn unmäßig ist. Sobalder nemlich das erste Wort, das ihn beleidigt, gehört hat, begehrter leidenschaftlich nach Rache, und er hat keine Geduld mehr, umabzuwarten, ob die Sache berechtigt ist oder nicht, oder wenig-stens nicht in so hohem Grad. Wenn nun die Unmäßigkeit imZorn eben in einem solchen Trieb zum Zorn besteht, so ist sienicht sonderlich zu tadeln. Wohl aber ist der Trieb zur Lusttadelnswerth: es liegt nemlich ein wesentlicher Unterschied zwischen