in der Analytik nachgewiesen haben, nemlich vermittelst des Schlus-ses, der sich aus zwei Vordersätzen ergibt, von welchen der ersteein allgemeiner Satz ist, der zweite dem ersten untergeordnet undpartikulär. Z. B.: ich kann jeden Menschen, der das Fieber hat,gesund machen; dieser Mensch hat das Fieber, also kann ich ihngesund machen. Nun kann aber der Fall eintreten, daß ich etwasweiß vermittelst des allgemeinen Wissens, aber nicht vermittelstdes partikulären. So kann der, welcher im Besitz des Wissensist, trotzdem einen Fehler begehen: es kann z. B. Einer jedenMenschen, der das Fieber hat, gesund machen, aber er weiß nicht,ob der und der Mensch das Fieber hat. Derselbe Fehler kannnun auch Vorkommen bei dem Unmäßigen, welcher im Besitz desWissens ist. Es ist nemlich möglich, daß der Unmäßige zwardas allgemeine Wissen davon hat, daß Dinge von der und derBeschaffenheit schlecht und schädlich sind, ohne daß er aber daspartikuläre Wissen davon hat, daß gerade diese bestimmten Dingeschlecht und schädlich sind. Bei solchem Stand seines Wissenskann er nun in Jrrthum gerathen. Er hat nemlich zwar dasallgemeine Wissen, aber nicht das partikuläre. Somit wird esbeim Unmäßigen auch von diesem Gesichtspunkt aus nichts Wider-sinniges haben, daß er, obgleich im Besitz des Wissens, doch etwasSchlechtes thut. Es hat mit ihm dieselbe Bewandtniß, wie miteinem Betrunkenen. Die Betrunkenen sind ja wieder dieselben,wie zuvor, sobald der Rausch verflogen ist; es ist nicht so, daßihre Vernunft oder ihr Wissen ganz verloren gegangen wäre, esist vielmehr nur vom Rausch bewältigt worden. Sind sie wiedernüchtern geworden, so sind sic wieder dieselben, wie vorher. Ebensoist es nun auch beim Unmäßigen. Indem nemlich der Affekt zurHerrschaft gelangt, bewirkt er einen Stillstand der Vernunftthätig-keit, ist aber der Affekt zurückgetreten, — ähnlich dem Rausch —so ist der Mensch wieder derselbe.
Wir haben nun aber in Betreff der Unmäßigkeit noch einanderes Bedenken gefunden, nemlich die Annahme, daß der Un-mäßige unter gewissen Umständen lobenswerth, der Mäßige tadelns-werth sein könne. Dieß ist aber nicht der Fall. Die Bezeichnung„mäßig" und „unmäßig" ist ja nicht anwendbar auf den, welcher