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stark« Begierden anzunehmen sind? Ist er wirklich mäßig, somuß dieß angenommen werden, sofern man ja einen Menschennicht mäßig nennen kann, welcher nur schwache Begierden be-herrscht. Will man aber keine starken Begierden annehmen, sokann auch von Selbstbeherrschung keine Rede sein, denn diesefindet nicht statt bei einem Menschen, welcher keine Begierde hatund keinen Affekten unterworfen ist. — Ferner ist folgender Punktzu erwägen: bei näherer Betrachtung kommen wir zu der Fol-gerung, daß bisweilen der Unmäßige lobenswerth, der Mäßigetadelnswerth ist. Man nehme nemlich an, es habe jemand inseinem Denken sich geirrt und es komme ihm oor, als ob dassittlich Gute schlecht wäre, die Begierde aber treibe ihn zum Gu-ten. Hier tritt also der Fall ein, daß die Vernunft ihn nichtwill das Gute thun lassen, daß er es aber doch thut unter derEinwirkung der Begierde: darin liegt ja das Wesen des Un-mäßigen. Er wird also das Gute thun, weil ihn ja nach un-serer Voraussetzung die Begierde dazu treibt. Die Vernunft aberhält ihn davon zurück, denn er geht ja, wie wir annehmen, inseinem Denken irre in Betreff des Guten. Also ein Solcher wirdunmäßig sein, dabei aber doch lobenswerth. Er ist nemlich lobens-Werth, sofern er das Gute thut. So erhalten wir hier eine wider-sinnige Consequenz. Andererseits soll jemand in seinem Denkenso irre gehen, daß ihm das sittlich Gute nicht als gut vorkommt,während die Begierde ihn zum Guten treiben soll. Mäßig istnun doch derjenige, welcher zwar Begierden hat, aber den Be-gierden nicht folgt wegen der Vernunft. Also da die Vernunft
hier auf das Gute sich nicht recht besinnt, so wird sie ihn hin-dern, das zu thun, was die Begierde will, also hindert sie ihn,
das Gute zu thun, denn zu diesem treibt ihn ja nach unserer
Voraussetzung die Begierde. Wer aber das Gute nicht thut,während er es thun sollte, ist tadelnswerth. Also wird der Mäßigein gewissen Fällen tadelnswerth sein. So erhalten wir auch aufdiesem Weg eine widersinnige Folgerung. — Endlich kann mannoch fragen, ob die Unmäßigkeit, resp. der Unmäßige, an jedembeliebigen Gegenstand sich zeigen und in Beziehung auf alles, —also z. B. Geld, Ehre, Zorn, Ruhm, denn das sind ja lauter