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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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zur Besprechung der Unmäßigkeit und des thierischeu Wesenswenden.

Fünftes Kapitel.

Vom thierischeu Wesen.

Das thierische Wesen ist ein bis zum Uebermaß gehendesLaster. Wenn wir nemlich einen durch und durch schlechtenMenschen sehen, so nennen wir ihn gar keinen Menschen mehr,sondern ein Thier; wir setzen also voraus, daß ein gewisses Lasterals thierisches Wesen sich darstellt. Die Tugend, welche diesemLaster gegenübersteht, hat keine besondere Bezeichnung. Eine solcheTugend geht über das menschliche Wesen hinaus, es ist etwa dieTugend der Heroen oder der Götter. Allein eine besondere Be-zeichnung hat diese Tugend nicht, weil der Gottheit eigentlichkeine Tugend zukommt. Die Gottheit steht nemlich über derTugend, sie ist nicht tugendhaft im Sinn von dem, was wirso nennen, sonst müßte ja die Tugend über der Gottheit stehen.Deßhalb also hat diese dem Laster des thierischen Wesens gegen-überstehende Tugend keine besondere Bezeichnung. Offenbar aberwird diesem Laster die göttliche, übermenschliche Tugend gegen-überstehen. Wie nemlich das Laster des thierischen Wesens überdas menschliche Wesen hinausgeht, so auch die gegenüberstehendeTugend.

Sechstes Kapitel.

Von der Mäßigkeit und Unmäßigkeit.

Zunächst müssen wir die Bedenken angeben, welche in Be-ziehung auf Mäßigkeit und Unmäßigkeit sich erheben, und aufdie Behauptungen eingehen, die dem allgemein Angenommenenwiderstreiten, um auf Grund einer zusammenhängenden Unter-suchung und Prüfung dieser Bedenken und Behauptungen dieWahrheit zu finden, so gut es irgend möglich ist. Denn diesesVerfahren führt am leichtesten zur Auffindung der Wahrheit.

Hier ist nun zuerst die Ansicht des alten Sokrates zu er-

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