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der Ehre: also muß auch die Tugend es sein, welche, sobald siezu groß wird, verderblich wirkt. Allein dieß ist doch nicht richtig.Hat nemlich die Tugend überhaupt unleugbar gar mancherleiWirkungen, so gehört dazu ganz besonders auch das Vermögen,diese und ähnliche Güter auf die rechte Weise zu gebrauchen.Wenn also der Tugendhafte von der ihm zu Theil gewordenengroßen Ehre oder Gewalt nicht den richtigen Gebrauch macht,so ist er eben damit nicht mehr tugendhaft. Also kann Ehreoder Gewalt den Tugendhaften nicht schlechter machen und ebenso-wenig die Tugend. Ueberhaupt, da wir ja gleich anfangs die Be-stimmung ausgestellt haben, daß jede Tugend ein mittleres Ver-halten ist, und zwar in desto höherem Grad, in je höherem sieeben Tugend ist, so folgt daraus, daß die Tugend, wenn sieeinen hohen Grad erreicht, nicht mir nicht einen schlechten Einflußnusübt, sondern einen guten. Denn das , mittlere Verhalten"steht in der Mitte zwischen dem Zuwenig und Zuviel der Affekte.— Soviel über diesen Punkt.
Viertes Kapitel.
Uebergang zur Unmäßigkeit und Mäßigkeit.
Für unsere Untersuchung müssen wir nunmehr von neuemanheben, um von der Mäßigkeit und Unmäßigkeit zu sprechen.Diese Tugend, resp. dieses Laster, haben etwas Eigentümlichesin ihrem Wesen und daher ist es nothwendig, daß auch die Be-sprechung derselben eine eigenthümliche Wendung nimmt. Es istnemlich diese Tugend nicht von derselben Art, wie die andern.Während nemlich bei den übrigen Tugenden die Vernunft unddie Affekte auf Einen und denselben Gegenstand gerichtet sind,ohne in Widerspruch mit einander zn kommen, stehen bei jenerTugend vielmehr Vernunft und Affekte im Widerspruch mit ein-ander. Es gibt nun in der Seele dreierlei Richtungen, welcheeine schlechte Beschaffenheit begründen: das Laster, die Unmäßig-keit und das thierische Wesen (Verthiertheit). Was nun Lasterund Tugend, ihr Wesen und ihr Gebiet betrifft, so ist davonim Bisherigen die Rede gewesen. Nunmehr müssen wir uns