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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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freiem Willen und absichtlich Schaden zufügt, so daß man weiß,wem man schadet und wie und zu welchem Zweck; wenn fernerSchaden und Unrecht auf Güter sich beziehen, so muß wohl der,welcher Unrecht thut, der Ungerechte, wissen, welcher Art die Güterund die Uebel sind, um welche es sich handelt; hierüber ein deut-liches Bewußtsein zu haben, ist aber doch Sache des Verständi-gen, Klugen und charakterisirt eben die Klugheil: so erhält manalso den widersinnigen Schluß, daß dem Ungerechten als solchemdas größte Gut, nemlich die Klugheit zukommt. Allein diesenSchluß kann man doch nicht wohl als richtig anerkennen. DerUngerechte faßt nemlich nicht in's Auge und es kann ihmhierüber auch kein Urtheil zukommen das schlechthin Gute unddas für ihn Gute, sondern hierüber ist er im Jrrthum. Dagegenliegt das Wesen der Klugheit darin, daß sie solche Dinge richtigzu bcurtheilen weiß. Es ist hier gerade wie auf dem Gebiet derHeilkunde: wir wissen Alle, daß gewisse Dinge schlechthin heil-sam und der Gesundheit förderlich sind, wie z. B. Nicßwurz,Abführungsmittcl, chirurgische Operationen, aber dennoch sindwir nicht im Besitz der medicinischen Wissenschaft. Denn wirkennen noch nicht das, was in jedem einzelnen Fall gut ist, wieder Arzt weiß, daß das und das für den und den, in dem unddem Augenblick und unter den und den Verhältnissen gut ist,hierin aber besteht ja das Wissen des Arztes. Wenn wir alsoauch das schlechthin Gesunde kennen, so sind wir doch noch nichtohne weiteres im Besitz der medicinischen Wissenschaft. Ebensoweiß nun auch der Ungerechte, daß die Gewaltherrschaft, hoheStellung, Amtsbefugniß schlechthin gut ist, aber er weiß damitnoch nicht, ob es auch für ihn gut ist oder nicht, und wann undunter welchen Umständen. Gerade hierin aber beweist sich dieKlugheit. Somit kommt dem Ungerechten nicht ohne weiteresdie Klugheit zu. Die Güter nemlich, in Beziehung auf die erUnrecht thut und die er für sich haben will, sind nicht für ihngut, sondern nur schlechthin gut. Reichthum nemlich und Herr-schaft sind schlechthin gut, aber sie sind vielleicht gerade für ihnnicht gut. Wenn er nemlich in den Besitz von Reichthum undHerrschaft gelangt, so kann er sich selbst und seinen Freunden