55
es sich auch mit den übrigen Dingen. Da also die Gegenständeverschieden sind, so müssen auch die einzelnen Theile der Seele,wodurch wir diese Gegenstände wahrnehmen, verschieden sein.Nun ist das Denkbare, das, was Gegenstand des Denkens ist,verschieden von dem sinnlich Wahrnehmbaren, und indem wirnun beides durch die Seele wahrnehmen, so muß der Theil derSeele, welcher es mit dem sinnlich Wahrnehmbaren zu thun hat,verschieden sein von dem Theil, welcher es mit dem Denkbarenzu thun hat. Das überlegende Vermögen der Seele aber beziehtsich auf das sinnlich Wahrnehmbare, in Bewegung Befindliche,überhaupt auf alles das, was entsteht und vergeht. Ueberlegungnemlich findet statt in Beziehung auf dasjenige, dessen Thun oderLassen von unserem Vorsatz und Willen abhängt, in Beziehungauf welches Ueberlegung und Vorsatz statlfindet, ob wir es thunsollen oder nicht; dahin aber gehört das sinnlich Wahrnehmbare,was in Bewegung begriffen ist und einer Veränderung unter-liegt. Daher entspricht der Theil der Seele, welcher Vorsätzefaßt, dem sinnlich Wahrnehmbaren.
Auf Grund dieser Bestimmungen können wir nun weitergehen. Den Gegenstand unserer Untersuchung bildet die Wahr-heit und der Inhalt derselben; nun müssen wir unterscheiden:Wissenschaft, Klugheit, Vernunft, Weisheit, Vorstellung. Es fragtsich also: was den Gegenstand eines jeden von diesen verschiede-nen Vermögen bildet. Was nun die Wissenschaft betrifft, so hatsie es zu thun mit dem Wißbaren, d. h. mir dem, was aufGrund von Beweisen und Vernunftgründen behauplet wird. DieKlugheit bezieht sich aus das Handeln, das praktische Gebiet, woeine Wahl stattfindet und wo es von uns abhüngt, ob wir etwasthun sollen oder nicht. Wir müssen aber Hervorbringen und han-deln unterscheiden und demgemäß auch das Vermögen hervorzu-bringen unterscheiden von dem Vermögen zu handeln. BeimHervorbringen nemlich ist der Zweck ein anderer, von der Thätig-keit des Hcrvorbringens verschiedener; z. B. die Baukunst hat dieAufgabe, ein Haus hervorzubringen, hier ist also der Zweck, nem-lich eben das Haus, verschieden von der Thätigkeit des Hervor-bringens; ebenso ist es bei der Kunst des Zimmermanns und