sagen, daß er nur in gewisser Beziehung Unrecht thut, in anderer >aber nicht. Sofern nemlich seine Entscheidung nicht der Wahr- »heit und dem naturgemäßen Recht entspricht, thut er Unrecht; Fsofern er aber nach seiner Ueberzeugung entschieden hat, thut er Nnicht Unrecht. n
Viermiddreißigstes (35.) Kapitel. ä
Ueber Wissenschaft, Klugheit, Vernunft, Weisheit und Vorstellung.
Wir haben bisher von den Tugenden gesprochen und gezeigt,worin sie bestehen, wo sie sich zeigen, auf was für Gegenständesie sich beziehen und welche Bewaudtniß es mit jeder einzelnen ihat; es hat sich herausgestellt, daß cs das Beste ist, wenn wir !auf eine der richtigen Vernunft entsprechende Weise handeln. Nun Ikann man aber sagen: mit diesem Handeln in einer der richtigen stVernunft entsprechenden Weise verhält es sich gerade so, wie wenn !!man sagen wollte: die Gesundheit erreiche man am besten da- sdurch, daß man gesunde Nahrung zu sich nehme; dieß sei aber snoch ganz unbestimmt ansgedrückt, man müsse vielmehr auch er- sklären, worin denn diese gesunde Nahrung bestehe, ebenso nunsei es auch bei der Vernunft: man müsse erklären, worin die -Vernunft, näher worin die richtige Vernunft bestehe. Daher wird 'es denn nothwendig sein, zuerst darüber Bestimmungen auszu- 'stellen, wo die Vernunft ihren Sitz hat.
Im allgemeinen haben wir schon oben die verschiedenen :Theile der Seele unterschieden und gesagt, daß in der Seele einvernünftiger und ein unvernünftiger Theil ist. Der vernünftigeTheil zerfällt nun aber selbst wieder in zwei Unterabtheilungen,in das Ueberlegende und das Wissende. Daß diese beiden von leinander verschieden sind, sieht man leicht aus den Gegenständen, jmit welchen sie es zu thun haben. Wie nemlich Farbe, Säst, jGeräusch, Geruch unter sich verschieden sind, so sind auch die :Sinne, welche die Natur uns für jeden solchen Gegenstand ge-geben hat, unter sich verschieden. Das Geräusch nehmen wir >ja wahr durch das Gehör, den Geschmack der Speisen durch denGeschmackssinn, die Farbe durch das Gesicht. Aehnlich verhält