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Zweilmdzwanzigstes (23.) Kapitel.
Bon der Gelassenheit.
Hieran schließt sich nun die weitere Frage, worin die Ge-lassenheit besteht und bei wem sie sich findet. Die Gelassenheitsteht in der Mitte zwischen jähzornigem Wesen und Unfähigkeitzum Zorn; wie denn überhaupt die Tugenven als eine Art vonmittlerem Verhalten sich darstellen. Daß dich richtig ist, läßtsich auch folgendermaßen zeigen: wenn das Beste in der Mitteliegt, wenn ferner die Tugend das beste Verhallen und wennendlich die Mitte das Beste ist, so folgt daraus, daß die Tugendiu der Mitte liegt. Dich wird noch deutlicher, wenn man beider Betrachtung in's einzelne geht. Jähzornig ist nemlich der-jenige, welcher über jeden und in allen Fällen und in zu hohemGrad in Zorn gerüth und ein Solcher ist zu tadeln; denn mansoll nicht über alles noch über jedermann noch in allen Fällenund immer in Zorn gerathen; doch darf man sich auch nichtandrerseits so verhalten, daß man über gar nichts und nie inZorn geräth, denn auch ein solches Verhalten verdient Tadel,denn dieß ist Unempfindlichkeit. Da somit sowohl der, welcherzu viel, als auch der, welcher zu wenig in Zorn geräth, tadelns-werth ist, so wird der, welcher ein mittleres Verhalten beobachtet,der Gelassene sein und Lob verdienen. Lob verdient nemlichweder der, welcher im Zorn zu viel, noch der, welcher darin zuwenig thut, sondern derjenige ist gelassen, welcher sich nach beidenSeiten hin in der Mitte hält und so ist denn die Gelassenheitdas Verhalten, welches zwischen den genannten Affekten in derMitte steht.
Dreiundzwanzrgstes (24.) Kapitel.
Von der Freigebigkeit.
Die Freigebigkeit ist das Verhalten, welches zwischen Ver-schwendung und Geiz in der Mitte steht. Alle diese Eigenschaftenhaben es mit dem Geld zu thun. Verschwenderisch ist nemlichderjenige, welcher Geld ausgibt für ungehörige Zwecke und in