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pfindungen der Lust. Sie ist nemlich, wie überhaupt jede Tu-gend, das beste Verhalten, dieses beste Verhalten hat aber dasBeste zum Inhalt, das Beste aber ist die Mitte zwischen demZuviel und dem Zuwenig; beides nemlich ist zu tadeln, dasZuviel und das Zuwenig. Ist sonach die Mitte das Beste, somuß die Selbstbeherrschung ein Verhalten sein, welches die Mitteeiuhält zwischen Zügellosigkeit und Unempfindlichkeit. Wenn alsodie Selbstbeherrschung ein mittleres Verhalten ist, so muß sichdich beziehen auf Lust und Unlust, doch nicht auf jede Art der-selben, mag sie entspringen, aus was sie will. Wenn z. B.jemand sich erfreut am Anschauen eines Gemäldes oder einerBildsäule oder eines ähnlichen Gegenstandes, so ist er deßwegennicht zügellos. Ebenso trifft diese Bezeichnung nicht zu auf demGebiet des Gehörs und des Geruchs, sondern es handelt sichnur um solche Empfindungen der Lust, welchen der Tastsinn undGeschmackssinn zu Grund liegt. Und auch hier kann man vonSelbstbeherrschung nicht reden bei einem Menschen, welcher sichso verhält, daß er von gar keiner derartigen Lust asficirt wird,— einen solchen nennen wir vielmehr unempfindlich —, sondernnur bei einem solchen, welcher zwar asficirt, aber nicht sortge-
rissen wird, so daß er im Uebermaß diesem Genuß sich hingübe
und alles andere darüber vernachlässigte. Selbstbeherrschung findetvielmehr nur bei dem statt, welcher nur um des sittlich Gutenwillen und aus keinem andern Grund so handelt. Wer nemlichdes Zuviel in solchen Genüssen aus Furcht oder aus einemandern derartigen Grund sich enthält, der zeigt nicht Selbstbe-herrschung. Wir wenden ja diesen Begriff auf kein anderes
lebendes Wesen an als auf den Menschen, weil die übrigenGeschöpfe keine Vernunft besitzen, mit welcher sie das RechtePrüfen und wählen könnten. Jede Tugend hat nemlich das
Gute zum Gegenstand und zum Ziel. So ist also die Selbst-beherrschung zu beziehen auf die Empfindungen der Lust undUnlust und zwar näher auf solche, welche auf dem Tastsinn undGeschmackssinn beruhen.