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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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eigentlichen Muth. Dieser bleibt also noch zu untersuchen. Mankönnte nun schlechthin sagen: muthig ist der, bei welchem keinervon den angegebenen Gründen zutrifft, bei dem vielmehr derMuth lediglich aus die Ueberzeugung begründet ist, daß es soschön und gut sei, und der so verfährt, es mag noch jemandzugegen sein oder nicht. Doch ist der Muth nicht ganz ohneAffekt und Trieb; nur muß der Trieb ausgehen von der Ver-nunft und auf dem sittlich Guten beruhen. Wer also auf Grundvernünftigen Denkens um des sittlich Guten willen einen Triebhat zur Gefahr und dabei keine Furcht zeigt, der ist muthigund hierin besteht der Muth. Furchtlos aber ist beim Muthigennicht etwa so zu verstehen, daß er gar keine Furcht empfände.Derjenige ncmlich, welchem gar nichts Furcht erregt, ist nichtmuthig; sonst müßte ja ein Stein und müßten andere unbe-seelte Dinge muthig genannt werden; vielmehr der Muthige mußstandhalten trotz der Furcht, die er empfindet. Denn wer stand-hält ohne Furcht zu empfinden, ist nicht muthig. Ueberdieß istdie oben gemachte Bemerkung zu wiederholen, daß nicht jede Artvon Furcht und Zuversicht gemeint ist, sondern nur solche Arten,wodurch die Existenz aufgehoben werden kann; und auch Zeitund Umstände sind nicht ganz gleichgiltig, sondern es müssenFurcht und Gefahr in der Nähe sein. Wenn sich nemlich Einervor einer erst nach zehn Jahren drohenden Gefahr nicht fürchtet,so kann man ihn doch deßhalb nicht muthig nennen. Die Zu-versicht beruht ja oft nur darauf, daß man weit vom Schuß ist;kommt man aber in den Bereich desselben, so stirbt man vorAngst. Damit hätten wir denn das Wesen des Muths unddes Muthigen angegeben.

Elmmdzwauzigstes (22.)') Kapitel.

Von der Selbstbeherrschung.

Die Selbstbeherrschung ist ein mittleres Verhalten zwischenZügellosigkeit und Unempfindlichkeit in Beziehung auf die Em-

') Die in Klammern stehenden Zahlen entsprechen der Belkcr'schen Ausgabe,welche K. 21 überspringt,