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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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aus der Gewohnheit Erfahrung geschöpft wirb; von denjenigenaber, welche nur aus Erfahrung standhalten, sagt kein Mensch,daß sie muthig seien, also kann auch der Muth kein Wissen sein.Andrerseits gibt es einen Muth, welcher auf dem Gegentheil derErfahrung beruht: diejenigen nemlich, welche mit den wahrschein-lichen Folgen einer Handlung oder einer Begebenheit unbekanntsind, haben eben deßhalb keine Furcht. Allein auch diese kannman nicht als muthig bezeichnen. Wieder Andere scheinen muthigzu sein auf Grund eines Affekts, z. B. aus Liebe oder Schwär-merei; aber auch dieß sind nicht die eigentlich Muthigcn. IhrMuth verschwindet nemlich, sobald der Affekt aufhört; allein derMuthigc muß seinen Muth stets festhalten. So wird auch nie-mand die wilden Thiere, wie z. B. die wilden Eber, muthignennen deßhalb, weil sie sich zur Wehre setzen, wenn sie Wundenund Schmerz empfinden. Der Affekt darf eben nicht der Grunddes Muthes sein. Ferner nimmt man einen bürgerlichenMuth an, z. B. wenn Einer aus Scham vor seinen Mitbürgernden Gefahren standhält und so muthig zu sein scheint. EinBeispiel dafür finden wir bei Homer, wenn er den Hektorsagen läßt '):

Schande würde zuerst auf mich PolydamaS Hause»!

Deßhalb also glaubt er streiten zu müssen. Also auch hier han-delt es sich nicht um den eigentlichen Muth. Es wird nemlichbei allen den genannten Arten die gleiche Bestimmung zutreffen:wenn der Muth nicht bleibt, wenn etwas anderes aufgehobenwird, so ist es nicht der eigentliche Muth. Wenn man z. B.die Scham aufhebt, welche die Quelle des Muthes war, so hörtder Muth auf. Ferner erblickt man eine Art von Muthdarin, daß Einer auf Grund einer Hoffnung, der Aussicht ausetwas Gutes sich muthig zeigt. Allein auch hier ist es nichtder rechte Muth, es wäre ja doch lächerlich, solche Leute, dienur unter solchen Umständen sich muthig zeigen, wirklich muthigzu nennen. Also alle die genannten Arten enthalten nicht den

>) Jl. 22, 100.

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