Handelns und zwar näher da, wo es von uns abhängt, ob wirhandeln oder nicht, und ob wir so handeln oder nicht so, undwo das Warum sich begreifen läßt. Dieses Warum ist abernicht überall dasselbe. Z. B. wenn man in der Geometrie sagt,die Winkel des Vierecks seien zusammen gleich vier Rechten undnach dem Warum fragt, so lautet die Antwort: weil auch dieWinkel des Dreiecks zusammen gleich zwei Rechten sind. Insolchen Fällen nun begreift man das Warum aus dem einmalsestgestellten Princip; anders aber ist es auf dem praktischenGebiet, wo vom Vorsatz die Rede ist. Hier hat man kein solchessestgestelltes Princip, vielmehr wenn Einer Rechenschaft darüberverlangt, warum du das und das gethan habest, so sagst du:weil es anders nicht möglich war, oder: weil es so besser war.Je nachdem unter den obwaltenden Umständen dieß oder jenesbesser zu sein scheint, darnach und deßhalb faßt man diesen oderjenen Vorsatz. Darum hat denn in solchen Fällen das Erwägen,wie man handeln soll, seine Stelle, was auf dem Gebiet desWissens nicht der Fall ist. Es besinnt sich z. B. Niemanddarüber, wie er den Namen Archikles zu schreiben hat. DerFehler liegt also hier nicht in der Erwägung, sondern in derThätigkcit des Schreibens. Darüber nemlich, wo der Fehlernicht im Ueberlegen liegt, stellt man keine Erwägungen an, son-dern nur da, wo es noch unbestimmt ist, wie man zu verfahrenhat, da findet der Fehler statt, diese Unbestimmtheit findet aberstatt auf dem praktischen Gebiet und da, wo es zwei Arten vonFehlern gibt. Auf dem praktischen Gebiet nun find unsre Fehlerdieselben wie da, wo es sich um die Tugenden handelt. Dennindem wir nach der Tugend streben, mache» wir Fehler in denRichtungen, welche unsrer Natur angehören; es gibt Fehler so-wohl nach der Seite des Zuviel als nach der Seite des Zuwenig.Der Grund, weßhalb wir bald in das eine, bald in das anderehineingerathen, ist Lust und Unlust. Die Lust ist nemlich daranschuld, daß wir das Schlechte thun, die Unlust aber daran, daßwir das Gute nicht thun.
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