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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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die aus einer Begierde beruhenden Handlungen unfreiwillig seien, ^ -vielmehr sind sie freiwillig. Allein andrerseits steht diesem Be- ?!weis ein andrer gegenüber, welcher auf die Unmäßigkeit gegründet U

ist. Da heißt es: Niemand thut das Böse freiwillig, wenn er ß

weiß, daß es böse ist. Nun thut aber der Unmäßige das Schlechte ;

trotzdem, daß er weiß, daß es schlecht ist (und zwar thut er es s

auf Grund einer Begierde), also thut er es nicht freiwillig, folg- s

lich gezwungen. Hier aber werden wir wieder den obigen Ge- isichtspunkt zur Entgegnung eintreten lassen müssen. Denn wenn zi-er auf Grund einer Begierde handelt, so handelt er nicht ge- ^zwungen. Mit der Begierde ist ja unmittelbar Lust verbunden,was aber um einer Lust willen geschieht, ist nicht gezwungen. 8

Auch noch in andrer Weise läßt sich dieß klar machen, daß der i

Unmäßige freiwillig handelt. Wer nemlich unrecht handelt, Han- si

delt so mit freiem Willen, nun sind die Unmäßigen ungerecht (

und handeln unrecht, also folgt daraus, daß der Unmäßige das, '!

was er als solcher thut, freiwillig thut.

Dreizehntes Kapitel. i

Bedenken hinsichtlich des Freiwilligen.

Allein hier hält man uns wiederum eine andere Beweis-führung entgegen, welche behauptet, daß der Unmäßige nichtfreiwillig handle. Man sagt nemlich: der Mäßige als solcherhandelt freiwillig; er wird ja gelobt, gelobt aber wird Einernur um dessen willen, was er freiwillig thut. Ist nun das,was auf der Begierde beruht, freiwillig, so ist das, was derBegierde zuwider ist, unfreiwillig. Der Mäßige aber handeltder Begierde zuwider. Also kann der Mäßige als solcher nichtfreiwillig sein. Allein dieß kann man nicht annehmen, und daherist auch nicht das auf der Begierde Beruhende freiwillig.Ebenso läßt sich die Betrachtung anstellen bei den aus einerAufwallung hervorgehendeu Handlungen. Hier treffen dieselbenBeweisgründe zu, wie bei den auf Begierde beruhenden Hand-lungen, also wird auch hier ein Zweifel entstehen, sofern es ja !

möglich ist, unmäßig und müßig im Zorn zu sein. Endlich s.