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tugendhaft oder lasterhaft sind. Man könnte nun etwa sagen:da es ja nur auf das Subjekt ankommt, daß es gerecht undtugendhaft sei, so wird jeder, sobald er nur will, der tugend-hafteste Mensch auf der Welt sein. Allein dieß ist nicht möglich.Der Grund liegt darin, daß es auch im Leiblichen nicht möglichist. Denn wenn Einer auch für seinen Leib Sorge tragen will,so wird er deßhalb noch nicht den allerbesten Leib haben. Esist nemlich noch nicht genug, daß diese Sorge vorhanden sei,sondern es muß auch der Körper von Natur schön und gut sein.Somit wird durch Sorgfalt der Körper zwar wohl besser werden,aber noch nicht am allerbesten. Derselbe Gesichtspunkt trifft nunauch zu bei der Seele. Der bloße Vorsatz genügt nicht, umder tugendhafteste Mensch zu werden, wenn nicht die Natur dazuvorhanden ist, nur besser wird der Mensch durch solche Vorsätzewerden.
Zwölftes Kapitel.
Vom Begriff des Freiwilligen.
Da es sich so herausstellt, daß es von unsrem Willen ab-hängt, daß wir tugendhaft seien, so ist nun weiter das Wesendes Freiwilligen genauer zu untersuchen. Was ist das Frei-willige? Dieß ist ein Kardinalbcgriff für die Bestimmung derTugend. Man könnte nun schlechthin es so bestimmen: Frei-willig ist das, was wir thun, ohne gezwungen zu sein. Alleinwir müssen doch wohl den Begriff bestimmter fassen. Das, wasunsrem Handeln zu Grunde liegt, ist der Trieb. Dieser Triebzerfällt aber in drei Arten: Begierde, Aufwallung und Wunsch.Zuerst also müssen wir die auf der Begierde beruhenden Hand-lungen in's Auge fassen und fragen, ob diese freiwillig sind oderunfreiwillig. Man wird schwerlich das letztere behaupten können.Warum und wie so? Weil wir das, was wir nicht freiwilligthun, gezwungen thun. Nun ist aber mit allen aus Zwang her»vorgehenden Handlungen Unlust verbunden, dagegen mit dem,was wir auf Grund einer Begierde thun, ist Lust verknüpft.Von diesem Gesichtspunkt aus kann man also nicht sagen, daß