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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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die Ungerechtigkeit vorziehen; ebenso sei es auch hinsichtlich derTapferkeit und Feigheit und der übrigen Tugenden, und somitergebe sich, daß, wenn Einer schlecht sei, er es nicht freiwillig sei.Und daraus folge dann weiter, daß auch der Tugendhafte nichtfreiwillig tugendhaft sei. Eine solche Beweisführung ist abersicherlich nicht richtig. Wie kommt es denn alsdann, daß derGesetzgeber verbietet, das Böse zu thun, und gebietet, das Guteund Rechte zu thun? und daß er auf das Böse eine Strafe setzt,wenn einer es thut? und ebenso darauf, wenn man das Gutenicht thut? Es wäre doch offenbar ein Widerspruch, wenn mangesetzlich das vorschreiben würde, was zu thun nicht von uns ab-hängt. Im Gegentheil, alles spricht dafür, daß es von uns

abhängt, ob wir tugendhaft oder lasterhaft sind. Ein weiterer

Beweis liegt auch darin, daß man lobt und tadelt; Lob wird ja

der Tugend zu theil, Tadel dem Laster. Nun kann aber vonLob und Tadel keine Rede sein, wo kein freier Wille ist. Esfolgt also auch hieraus, daß es von uns abhängt, ob wir dasTugendhafte oder das Böse thun. Zum Beweis der Unfreiwil-ligkeit hat man auch schon eine Vergleichung zu Hilfe genommen.Man sagt: warum tadelt denn Niemand diejenigen, welche krankoder häßlich sind? Dieß trifft aber nicht zu, vielmehr tadelnwir Solche auch, sobald wir annehmen, daß sie selber an ihrerKrankheit oder Mißgestalt schuld sind, wir setzen dann also auchhier den freien Willen voraus. So ist denn offenbar auch dastugendhafte, resp. lasterhafte Verhalten Sache des freien Willens.

Zehntes Kapitel.

Die Principien und ihre Wirkungen sind von gleicher Art.

Man kann sich hievon noch bestimmter durch folgende Be-trachtung überzeugen. Jedes Wesen hat die Fähigkeit, ein an-deres Wesen zu erzeugen von gleicher Beschaffenheit, wie z. B.die Pflanzen und die Thiere; diese beiden haben die Fähigkeitder Zeugung, sie zeugen aber aus Principien, Grundstoffen, wiez. B. der Baum aus dem Samen, welcher eine Art von Principist. Mit dem aber, was das secundäre ist nach den Principien,