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ein Ehebrecher ist ja nicht derjenige, welcher in höherem Gradeine anständige Frau verführt. Allein auch dicß und was etwasonst in ähnlicher Weise durch eine auf Zügellosigkeit gegründeteLnst bedingt ist, enthält das Tadclnswerthe in sich, wenn dießauch nicht auf einem Zuviel oder Zuwenig beruht').
Neuntes Kapitel.
Frage, ob das Zuviel oder das Zuwenig den Gegensatz zur Tugendbildet und ob Tugend und Laster vom freien Willen abhangeu.
Hienach wird nun weiter die Frage in's Auge zu fassen sein,was den Gegensatz zum mittleren Verhalten bildet, ob das Zu-viel oder das Zuwenig. Es gibt nemlich Fülle, wo das Zu-wenig der Mitte entgegengesetzt ist, aber auch wieder solche, wodas Zuviel den Gegensatz bildet. Z. B. der Tapferkeit ist nichtdie Verwegenheit, die das Zuviel ist, entgegengesetzt, sondern dieFeigheit, d. h. das Zuwenig. Dagegen der Selbstbeherrschung,dem mittleren Verhalten zwischen Zügellosigkeit und Unempfind-lichkeit in Beziehung auf die Lust, ist doch wohl nicht die Un-empfindlichkeit entgegengesetzt, d. h. das Zuwenig, sondern dieZügellosigkeit, d. h. das Zuviel. Entgegengesetzt ist freilich derMitte Beides, das Zuwenig wie das Zuviel. Die Mitte bleibtja zurück hinter dem Zuviel, geht aber hinaus über das Zuwenig;woher es auch kommt, daß die Verschwender den Freigebigengeizig nennen, während die Geizigen den Freigebigen als einenVerschwender bezeichnen. Ebenso nennen die Verwegenen undTollkühnen den Tapferen feig, während die Feigen den Tapferenals tollkühn und wahnsinnig betrachten. Es sind überhaupt zweiGesichtspunkte, von welchen aus wir der Mitte das Zuviel unddas Zuwenig gegenübcrstellen. Entweder nemlich fassen wir dieSache selbst in's Auge und bestimmen von da aus, welches vonbeiden der Mitte näher, resp. ferner ist; z. B. bei der Freigebig-keit fragen wir, ob die Verschwendung oder der Geiz ihr ferner
') ES wird etwa zu lese» sein: kr t'x vTikp-