Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

gelobt wird. Es wird ja doch niemand gelobt, weil er weise >)oder klug ist, überhaupt nicht wegen einer derartigen Eigenschaft, sUnd auch der unvernünftige Theil wird nicht gelobt, sofern er fnicht sich zu fügen weiß und dem vernünftigen Theile sich un- s

terordnet. f

Schaden erleidet die sittliche Tugend durch das Zuviel und 's

das Zuwenig. Daß dieß wirklich so ist, läßt sich aus dem Sinn- s

lichen 2) abnehmen. Man muß ja das Bekannte als Beweis ge-brauchen für das Unbekannte. Man kann nemlich gleich bei den !körperlichen Uebungen diese Wahrnehmung machen. Treibt man !diese in besonders hohem Grad, so leidet die Kraft darunter, und A

dasselbe ist der Fall, wenn man sie ganz wenig betreibt. Ebenso !,

ist es im Essen und Trinken: ein sehr hohes Maß schadet der ÄGesundheit, und ebenso ein geringes Maß, hält man aber das Irechte Maß ein, so wird die Kraft, resp. die Gesundheit, geför- L

dert. Und ebenso ist es nun auch bei der Selbstbeherrschung,der Tapferkeit und den anderen Tugenden. Wenn man nemlich seinen Menschen ganz von der Furcht entkleidet, so daß er nichteinmal vor den Göttern sich fürchtet, so ist dieser nicht tapfer,sondern wahnsinnig, fürchtet er sich aber vor allem und jedem,so ist er feig. Tapfer wird also derjenige sein, wer sich weder i

vor allem fürchtet noch vor gar nichts. Hiedurch also wird die «

Tugend gefördert, resp. geschädigt. Uebertriebene, bei allem ein-tretende Furcht schadet der Tugend, und ebenso das gänzlicheFehlen der Furcht. Die Tapferkeit aber hat es mit der Furcht ^zu thun, so daß also das rechte Maß der Furcht die Tapferkeit serhöht. Also eins und dasselbe ist es, was die Tapferkeit beför-dert und was ihr schadet, es ist eben die Furcht in verschiedenenBeziehungen, wodurch dieß hervorgebracht wird. Und ebenso istes auch bei den andern Tugenden. l

>) im Widerspruch mit der obigen Auffassung.2) siir