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nicht, vielmehr scheint dasselbe dem Feuer ähnlich zu sein. Wienemlich das Feuer das, was man hincinwirft, verzehrt, ohne abereinen Trieb nach Erfassung dessen zu haben, was man nicht hin-eimvirft, so ist es auch bei dem genannten Thcil der Seele: erernährt, wenn man ihm Nahrungsstosf gibt, thut man dieß abernicht, so hat er keinen Trieb zu ernähren. Deßhalb also gibtes hier keine Thätigkeit, wann kein Trieb vorhanden ist. Unddaraus folgt, daß dieser Theil zur Glückseligkeit nichts beiträgt.
Der weitere Punkt, der nun zu besprechen wäre, ist dasWesen der Tugend, da ja eben die Thätigkeit der Tugend dieGlückseligkeit ist. Man könnte nun in aller Kürze die Tugendbezeichnen als die beste Zuständlichkcit. Allein diese kurze Bestim-mung wird doch nicht ausreichen, sondern wir werden diesen Punktnoch genauer erörtern müssen.
Fünftes Kapitel.
Allgemeine Bestimmungen über die Seele und ihre Hanpttheile, welchenje besondere Eigenschaften zukommcn. lieber den Einfluß des Zuvielund des Zuwenig auf die Tugend.
Zuerst müssen wir ein Wort sagen von der Seele, in wel-cher die Tugend sich entwickelt. Es handelt sich aber hier nichtum eine förmliche Definition der Seele, eine Untersuchung, dieanderswohin gehört, sondern nur um eine allgemeine Unterschei-dung ihrer Theile. Die Seele zerfällt nemlich nach unserer An-sicht in zwei Theile, einen vernünftigen und einen unvernünftigen.In dem vernünftigen Theil komme» zur Entwicklung die Klugheit,der Scharfsinn, die Weisheit, die Gelehrigkeit, das Gedächtnißund dergl., in dem unvernünftigen Theil dagegen die eigentlichso genannten Tugenden, Selbstbeherrschung, Gerechtigkeit, Tapfer-keit und sonstige Eigenschaften, die in sittlicher Beziehung lobcns-werth sind. Denn diese letzteren Eigenschaften sind es ja, inBeziehung auf welche wir lobcnswerth heißen, während in Be-ziehung auf die Eigenschaften des vernünftigen Theils niemand
Aristoteles' Große Ethik. 8