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Eine vollkommene Zeit aber ist diejenige, welche zu einem Men-schenleben gehört. Es ist ja ein vielgebrauchtes Wort, das auchganz richtig ist, daß das Urtheil darüber, ob jemand glückseligist, nach dem größten Zeitraum des Lebens zu bemessen ist, wo-bei man also voraussetzt, daß das Vollkommene nothwendig cinevollkommene Zeit und ein vollkommenes Subjekt verlangt.
Daß ferner die Glückseligkeit eine Thätigkeit (Aktualität) ist,geht auch aus Folgendem hervor: Wir sind doch gewiß nicht ge-sonnen, einen Menschen während des Schlafs glückselig zu nennen,da ja Einer sein ganzes Leben lang schlafen könnte. Einem sol-chen käme freilich das Leben zu, aber das tugendhafte Leben kämeihm nicht zu, weil dieses auf Thätigkeit beruht.
Ein weiterer Punkt, den wir besprechen wollen, scheint aufden ersten Anblick mit dem Bisherigen nicht streng zusammenzu-hängen, liegt aber doch nicht weit davon ab. Wir müssen nem-lich einen Theil der Seele annehmen, wodurch die Ernährungbedingt ist, und diesen Theil nennen wir eben den ernährenden.Diese Annahme ist durchaus rationell, wenigstens sehen wir nicht,daß die Steine einer Ernährung, eines organischen Zunehmensfähig wären, woraus klar hervorgeht, daß die Ernährung nurden beseelten Wesen zukommt. Ist aber dieß der Fall, so mußeben die Seele die Ursache sein. Fassen wir aber die einzelnenTheile der Seele in's Auge, den vernünftigen, den leidenschaft-lichen, den begehrenden Theil, so kann von diesen nicht wohl einerUrsache der Ernährung sein, sondern wir haben außer diesen Thei-len noch einen andern anzunehmen, dem wir keinen passenderen Na-men zu geben vermögen, als den: „ernährender Theil". Nunkann man die Frage aufwerfen, ob es auch eine Tugend diese?Theils der Seele gibt? Ist diese Frage zu bejahen, so muß esoffenbar auch eine Thätigkeit geben, welche auf dieser Tugend be-ruht; denn die Glückseligkeit ist ja die Thätigkeit der vollkomme-nen Tugend. Ob es nun überhaupt eine solche Tugend des er-nährenden Theils gibt oder nicht, wäre anderswo zu entscheiden.Sollte es aber je eine geben, so gibt es doch keine Thätigkeitderselben. Denn wo kein Trieb ist, da kann auch keine Thätigkeitsein. Ein Trieb aber ist offenbar in diesem ernährenden Theil