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Viertes Kapitel.
Wesen der Glückseligkeit. Frage nach dem Wesen der Tugend.
Nun weiter machen wir die Wahrnehmung, daß unser Lebenlediglich auf der Seele beruht, in der Seele aber ist die Tugendenthalten, und so können wir sagen, daß das, was die Seelebewirkt, identisch ist mit dem, was die Tugend der Seele bewirkt.Die Tugend aber bewirkt in jedem einzelnen Fall dasjenige, wassie zum Gegenstand hat, auf gute Weise, und wenn nun dieSeele unter anderem namentlich dasjenige ist, worauf das Lebenberuht, so wird die Tugend der Seele dasjenige sein, worauf eingutes Leben beruht, dieses gute Leben aber und ein guter Wan-del ist eben das, was wir als Glückseligkeit bezeichnen. Somitbesteht die Glückseligkeit und der Zustand des Glückseligen darin,daß das Leben gut ist, dieses gute Leben aber ist eben ein Leben,das auf der Tugend beruht. Dieses also ist Endzweck, dieß istdie Glückseligkeit und das höchste Gut. Nun wird ferner dieGlückseligkeit beruhen auf einem gewissen Gebrauch, einer Thätig-keit. Wo nemlich Gebrauch und Haben unterschieden werdenkönnen, da ist der Gebrauch und die Thatigkeit der Endzweck. Fürdie Seele ist aber die Tugend zunächst ein Haben, eine Zuständ-lichkeit; da man aber daneben auch eine Thatigkeit und einen Ge-brauch der der Seele zukommenden Tugenden anzunehmen hat,so wird dieser Gebrauch und diese Thatigkeit Endzweck sein. So-mit wird die Glückseligkeit darauf beruhen, daß das Leben eintugendhaftes ist. Da nun die Glückseligkeit das höchste Gut undals Thatigkeit betrachtet Endzweck ist, so werden wir glückseligsein und das höchste Gut besitzen, wenn wir tugendhaft leben.
Da also die Glückseligkeit ein vollkommenes Gut und letzterZweck ist, so schließt sich hieran unmittelbar die weitere Bemer-kung, daß sie auch in einem vollkommenen Subjekt sein muß.Sie kann ja doch nicht in einem Kinde sein, denn ein Kind istnicht glückselig, sondern nur in einem Mann, denn nur dieser istvollkommen. Und ebenso kann sie auch nicht in einer unvollkom-menen Zeit sich erfüllen, sondern nur in einer vollkommenen.