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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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Drittes Kapitel.

Unterscheidung der geistigen, körperlichen und äußeren Guter. Der höchsteZweck, die Glückseligkeit, ist zu betrachten mit Rücksicht auf den Besitzund auf den Gebrauch.

Hiernach ist noch eine andere Eintheilung der Güter auf-zuführen. Es sind nemlich die Güter theils Güter der Seele,geistige Güter, wie z. B. die Tugenden; theils sind es körper-liche Güter, wie z. B. Gesundheit und Schönheit; theils sind esäußere Güter, wie Reichthnm, Ehre, hohe Stellung und derglei-chen. Von diesen verschiedenen Gütern sind die geistigen die vor-züglichsten. Diese zerfallen wieder in drei einzelne Güter: Ein-sicht, Tugend und Genuß. Ferner ist nach unserer durchgän-gigen Annahme und nach allgemeiner Anschauung die Glückseligkeitder Endzweck der Güter und das vollkommenste Gut, dieß istaber nichts anderes als guter Wandel und gutes Leben. DiesesZiel aber ist nicht in einfachem, sondern in doppeltem Sinn zuverstehen: in manchen Fällen nämlich ist dieses Ziel eben dieThätigkeit (Aktualität) und der Gebrauch, wie z. B. beim Gesicht,und zwar ist dieser Gebrauch vorzüglicher als das bloße Haben,die Beschaffenheit an sich; der Gebrauch ist ja der Zweck. Nie-mand würde sich ja das Gesicht wünschen, wenn er nicht sehen,sondern die Augen immer zuschließen wollte. Ebenso ist es auchbeim Gehör und Aehnlichem. Wo also zwischen Gebrauch undHaben unterschieden werden kann, da ist immer der Gebrauchbesser und vorzüglicher als das Haben. Der Gebrauch nemlichund die Aktualität sind Zweck, während das Haben um des Ge-brauchs willen vorhanden ist. Wenn man nun hienach die sämmt-lichen Wissenschaften in's Auge faßt, so wird man finden, daßnicht die eine Wissenschaft ein Haus herstellt und eine andere eingutes Haus, sondern beides wird hergestellt durch die Baukunst,und wenn der Baumeister etwas gewisses herzustellen versteht, soist es die Tugend oder Tüchtigkeit des Baumeisters, welche ebendieß gut herzustellen versteht. Und ebenso ist cs in allen ähn-lichen Fällen.