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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
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suchung nicht auf die Frage nach dem Begriff beschränken, viel-mehr müssen wir auch die Elemente Nachweisen, woraus etwasentsteht; denn mit dem Bestreben, den Begriff zu erfahren, ver-bindet sich unmittelbar auch der Wunsch, selber die entsprechendeBeschaffenheit zu erlangen. Dich aber wird uns nicht möglichsein, wofern wir nicht die Elemente und die Entstehungsweisekennen. Freilich ist es unerläßlich, de» Begriff der Tugend zukennen. Denn ohne Kenntnis; dieses Begriffs ist es nicht leicht,von der Entstehungsweise und den Elementen sich Kenntniß zuverschaffen, hier so wenig, als bei den andern Wissenschaften.

Bei dieser Untersuchung dürfen wir aber etwaige ältere An-schauungen nicht unbeachtet lassen. Der erste, welcher es versuchthat, eine Lehre von der Tugend aufzustellen, war Pythagoras;er war aber nicht auf dem rechten Weg. Er führte nemlich dieTugenden auf die Zahlen zurück und stellte sich somit auf eine»Standpunkt, welcher mit dem Wesen der Tugend nichts zu thu»hat. Denn man kann doch nicht sagen, die Gerechtigkeit sei eineZahl, die aus gleichen Faktoren bestehe. Nach Pythagorashat Sokrates sich mit dieser Frage beschäftigt, und zwar in rich-tigerer und umfassenderer Weise, doch hat auch er das Richtigenicht getroffen, indem er die Tugenden als Wissenschaften auf-faßte. Allein dieß kann unmöglich das Richtige sein. Denn dieWissenschaften stehen alle in Verbindung mit dem Denken, derVernunft, die Vernunft aber ist lediglich in dem denkenden Theilder Seele. Somit müssen sämmtliche Tugenden in dem denken-den Theil der Seele ihren Sitz haben, wovon die Folge ist, daßSokrates, indem er die Tugenden als Wissenschaften saßt, denunvernünftigen Theil der Seele aufhebt, damit aber hebt er auchdcu leidenden Zustand und das Wesen des Sittlichen auf. Indieser Beziehung also war Sokrates nicht auf dem rechten Wegmit seiner Tugendlehre. Sein Nachfolger war Plato, welcherganz richtig die Seele eingetheilt hat in einen vernünftigen undeinen unvernünftigen Theil; und jedem dieser Theile hat er dieentsprechenden Tugenden zugewicsen. Soweit nun ist alles in derOrdnung, nun aber beginnt der Jrrthum in der Auffassung.Plato hat nemlich die Tugend vermischt mit der Untersuchung