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Unsere Absicht war, ein Vermögen, eine Fertigkeit zu fin-den, um über jedes vorgelegte Thema aus möglichst wahrschein-lichen Voraussetzungen Schlüsse zu bilden; dieß ist ja die Aufgabeder Dialektik an sich und der Peirastik. Da nun aber, wegender nahen Verwandtschaft mit der Sophistik, noch weiter dazu ge-hört, daß man nicht bloß in dialektischer Weise eine Prüfungvorzunehmen versteht, sondern auch als ein Wissender, deßhalbhaben wir nicht bloß den ebengenannten Punkt, nemlich die Fer-tigkeit, sich Red und Antwort geben zu lassen '), als unsere Aus-gabe ins Auge gefaßt, sondern auch das, daß wir selber Red undAntwort geben 2) und so die Behauptung zu vertheidigen suchendurch Sätze, welche ebenfalls möglichst wahrscheinlich sind. DenGrund hiefür haben wir schon angegeben ^); auch Sokratespflegte ja deßhalb zu fragen, freilich ohne zu antworten, soferner ja zugestand, daß er nichts wisse. Im Obigen ist nun aus-geführt, in wie vielen Beziehungen dieses Vermögen dienlich istund aus Welchen Momenten cs besteht, woher wir Fertigkeitdarin gewinnen, ferner wie man zu fragen oder die ganze Frag-stellung einzurichten hat; endlich wie man antworten und dieSchlüsse auslösen muß; auch ist noch Weiteres dargelegt, wasebenfalls zur Lehre von der Dialektik gehört. Ueberdicß habenwir die Trugschlüsse behandelt, wie schon oben bemerkt wurde.So können wir mit Recht sagen, daß unsere Aufgabe in gehöri-ger Weise gelöst ist; indessen dürfen wir uns nicht verbergen,was bei dieser Untersuchung stattfindet. Alles, was gefundenwird, war theils von Andern schon übernommen, ist schon znmTheil ausgearbeitet und nun von denen, welche es übernommenhaben, weiter gefördert worden; theils aber wird es ganz neuaufgefunden und pflegt dann im Anfang nur bescheidene Fort-schritte zu machen, die jedoch weit mehr Werth sind, als dasganze spätere, darauf begründete Wachsthum. Denn man kannwohl mit Recht sagen, der Anfang sei von allem das größte;
>1 D. h. opponiren.
2> D. h. respondiren, vertheidigen.3) S. I.