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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Schlußsatz wahr ist. Also wenn man die Lösung eines Schlussesbeabsichtigt, so muß man zuerst sehen, ob man wirklich einenSchluß hat oder nicht, um die Lösung entweder durch Wider-legung oder Zertheilung zu bewirken, und durch Widerlegung ent-weder so oder so, wie oben angegeben wurde. Es macht dabeisehr viel aus, ob man auf Fragen zu antworten hat oder nicht;denn vorauszusehen, was gefolgert wird, ist immer schwer, leichterist es, wenn man in aller Ruhe untersuchen kann.

Neuuzehntes Kapitel.

Von der Widerlegung der auf Zweideutigkeit beruhenden Schlüsse.

Die Widerlegungen, welche auf Homonymie und Amphibolieberuhen, haben theils eine Frage, Welche einen mehrfachen Sinnhat, theils einen vieldeutigen Schlußsatz; z. B. bei dem Satz: dasSchweigen redet'), ist der Schlußsatz zweideutig, bei dem Satz:der, welcher weiß, weiß zugleich nicht 2), ist eine Frage zweideutig.Das Zweideutige ist bald, bald ist es nicht, es bezeichnet theilsein Seiendes, theils ein nicht Seiendes.

Wo nun die Zweideutigkeit im Schluß liegt, gibt es keinenGegeuschluß, wenn man nicht das (contradictorische) Gegentheildazu nimmt, wie z. B. in dem Beispiel vom Sehen des Blin-den 3); ohne Gegentheil gibt es hier keine Widerlegung. Wo csaber in den Fragen liegt, muß man die Zweideutigkeit nicht vor-her verneinen; denn die Beweisführung ist nicht darauf gerichtet,sondern darauf begründet. Gleich Anfangs also muß man aufden Doppelsinn in Wort oder Satz antworten: in gewissem Sinnist es so, in gewissem nicht, wie in dem Beispiel vom redendenSchweigen. Ebenso: das, was sein muß, ist theils zu thun, theilsnicht; dennwas sein muß" hat einen mehrfachen Sinn. Wenncs aber versteckt ist, so muß man am Schluß ausdrücklich zu der

>> S. 4. io.

2) Sofern das Wissen theils bloß gedächtnißmüßig ist, theils Verstehen.6) Entweder er sieht oder er wird gesehen.