249
man einen bestimmten Punkt angrcifc, — denn offenbar mußman hievon Rechenschaft geben, und es ist, wenn einiges voraus-geschickt ist, leichter vor dem allgemeinen Resultat bei den Gegen-beweisen auf der Hut zu sein — so muß man im Allgemeinenwidersprechen, nemlich sagen, daß man behaupte, was der Gegnerverneine, und verneine, was er behaupte; also nicht z. B. sagen,daß es für Entgegengesetztes Eine Wissenschaft gebe oder nicht.Man darf auch nicht den Schlußsatz in Form eines Vordersatzesfragen; einiges aber muß man gar nicht fragen, sondern als zu-gestanden behandeln.
Sechzehntes Kapitel.
Vom Nutzen der sophistischen Schlüsse.
Im Bisherigen ist auseinandergesetzt worden, woher die Fra-gen zu schöpfen und wie sie zu fassen sind in den agonistischenDisputationen; nun ist weiter von: Antworten zu sprechen,wie man eine Lösung finden muß und für was, und zu welchen:Zweck solche Beweisführungen von Nutzen sind.
Zunächst für die Philosophie sind sie nützlich in doppelterBeziehung: erstens, da diese Beweise zumeist auf der Ausdrncks-weise beruhen, so geben sie uns eine größere Fertigkeit für dieAuffassung der verschiedenen Bedeutungen eines Worts, so daßwir verstehen, wo etwas gleich und wo etwas verschieden zw fassenist in sachlicher und in sprachlicher Beziehung. Zweitens ist csvon Werth für die Untersuchungen, die man bei sich selber an-stellt: denn wer durch einen Andern leicht getäuscht wird und dießnicht merkt, kann auch von sich selber oft leicht getäuscht werden.Drittens ist es von Vortheil auch für die Meinung, welche manvon uns hat, daß wir nemlich in jeder Beziehung Wohl geübtund in Allem bewandert scheinen; denn wenn man beim Dispu-tiren nur zu tadeln weiß, ohne daß man im Stand ist, über denUnwerth der gegnerischen Behauptungen etwas Bestimmtes zusagen, so gibt man dem Verdacht Raum, daß man Schwierigkeitenmache nicht um der Wahrheit willen, sondern weil man nichtsverstehe.