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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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zu Staude gebracht zu sein, wie z. B. daß Leben und Seelenicht Eins und dasselbe sind; wenn uemlich dem Vergehen dasWerden entgegengesetzt ist, so wird auch einem bestimmten Ver-gehen ein bestimmtes Werden entgegengesetzt sein; nun ist der Todein bestimmtes Vergehen und dem Leben entgegengesetzt, also istdas Leben ein Werden und leben ist werden; dieß ist aber un-möglich, also ist Seele und Leben nicht Eins und dasselbe. Dießist aber keineswegs der richtige Schluß, denn das Unmögliche folgtauch wenn man nicht sagt, daß das Leben mit der Seele identischsei, sondern nur annimmt, daß das Leben dem Tod als einemVergehen entgegengesetzt sei, dem Vergehen aber das Werden.Solche Schlüsse sind nun freilich nicht schlechthin unshllogistisch,wohl aber sind sie es in diesem bestimmten Fall. Und zwarwird ein solches Verfahren häufig von den Fragenden selbst eben-sowenig entdeckt.

Solcher Art find die Trugschlüsse, welche auf dem Conse-guens und auf dem nicht Ursächlichen beruhen; eine weitere Klasseumfaßt die, welche darauf beruhen, daß man aus zwei FragenEine macht, wenn man uemlich nicht bemerkt, daß es mehrereFragen sind und, wie wenn es nur Eine wäre, nur Eine Ant-wort gegeben wird. In manchen Fällen nun ist es leicht zu sehen,daß es mehrere Fragen sind und daß man nicht Eine Antwortzu geben hat, z. B.: ist die Erde oder der Himmel ein Meer?Manchmal aber ist es weniger leicht, und als ob es bloß EineFrage wäre, gibt man entweder zu, indem man die Frage nichtbeantwortet, oder man läßt sich dem Anschein nach widerlegen.Z. B.: ist A und ist L ein Mensch? Also: wenn man den Aund den L schlägt, so schlägt man einen Menschen, nicht Men-schen. Oder: ist das, welches theils gut ist, theils nicht gut, alles,im ganzen, gut oder nicht gut? Mag man das eine oder anderesagen, immer wird man einen Gegenbeweis oder etwas offenbarFalsches zu bewirken scheinen; denn zu sagen, etwas von demnicht Guten sei gut, ist ebenso falsch als zu sagen, etwas vondem Guten sei nicht gut. Wenn man aber noch Weiteres dazunimmt, so kann man auch einen wirklichen Gegenbeweis bilden,z. B. wenn Einer zugibt, daß Eins und Vieles ganz aus gleiche

Aristoteles' «opik. 15