Druckschrift 
3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
222
Einzelbild herunterladen
 

222

Vieles als Accidens zukommt, so ist es nicht nothwendig, daßdieses Alles allem, was ausgesagt wird und zugleich dem, vonwelchem es ausgesagt wird, zukomme. Z. B. wenn Koriskosetwas Anderes ist als Mensch, so soll er ein Anderer sein alser selbst, da er ja ein Mensch sei. Oder wenn er ein 'Andererist als Sokrates, Sokrates aber ein Mensch ist, so soll damitzugegeben sein, daß er ein Anderer sei als Mensch, weil ja der-jenige ein Mensch ist, von welchem er nach der Voraussetzungverschieden ist.

Die Schlüsse, wo es sich darum handelt, daß etwas schlecht-hin oder in gewisser Beziehung und nicht eigcnthümlich ausge-drückt wird, finden dann statt, wenn das partikulär Ausgedrückteals schlechthin ausgedrückt gefaßt wird', z. B.: wenn das nichtSeiende ein Vorgestelltes ist, und man schließt daraus, daß dasnicht Seiende ist; denn etwas sein und schlechthin sein, ist nichtEins und dasselbe. Oder: das Seiende ist nicht ein Seiendes,wenn es nicht ein bestimmtes Seiendes, z. B. wenn es nicht einMensch ist. Aber es ist nicht identisch: etwas nicht sein, undschlechthin nicht sein; es scheint nur so, weil der Ausdruck fastderselbe ist und weiletwas sein" vonsein" undetwas nichtsein" vonnicht sein" sich wenig unterscheidet. Ebenso ist csauch, wo es sich um eine bestimmte Beziehung und um dasSchlechthinige handelt. Z. B. wenn der Inder ganz schwarzist, aber dabei weiß hinsichtlich der Zähne also ist er weißund nicht weiß. Oder man schließt daraus, daß beides in ge-wisser Beziehung zukommt, sofort, daß das Entgegengesetzte zu-gleich znkomme. Ein solches Verfahren ist in manchen Fällen fürJeden leicht erkennbar, z. B. wenn man annimmt, der Aethiopesei schwarz und fragt, ob er hinsichtlich der Zähne weiß sei, undWenn nun dieß so ist, glaubt, mit einer syllogistischen Vollendungder Frage bewiesen zu haben, daß er schwarz und nicht schwarzsei, in manchen Fällen aber ist es versteckt, da nemlich, womit einer in gewisser Beziehung geltenden Bestimmung auch dieschlechthinige Giltigkeit sofort zu folgen scheint, und da, Wo esnicht leicht ist zu erkennen, welche von beiden Bestimmungeneigentlich gemeint ist. Dieß ist da der Fall, wo die gegentheiligen