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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Fälle, wo durch den sprachlichen Ausdruck der Schein eines Be-weises erregt werden soll: diese sind die Homonymie, die Amphi-bolie (Zweideutigkeit), die Zusammensetzung oder Synthesis, dieTrennung oder Diäresis, die Prosodie oder der Accent, endlichdie Form des Ausdrucks. Daß es so viele Fälle sind, läßt sichsowohl durch Induktion als dnrch Syllogismus zeigen: man darsnur irgend eine andere Art nehmen "), und gerade so viele Fällegibt es, in welchen es nöthig ist, mit den gleichen Ausdrückenund Sätzen nicht Eins und dasselbe zu bezeichnen.

Zur Homonymie gehören z. B. folgende Fälle:der Wis-sende lernt". Mit Lernen bezeichnen wir nemlich auch das Aus-wendiglernen der Schüler in der Grammatik"). Lernen ist nem-lich ein homonymer Ausdruck, man gebraucht ihn sowohl vondem Wissenden, welcher mit Verständniß lernt, weiter lernt, alsvon dem, welcher erst anfängt zu lernen. Ferner wenn mansagt, das Schlechte sei gut; das Gute sei nemlich etwas, wassein müsse, dasselbe gilt aber auch vom Schlechten. Hier istdaswas sein muß" in doppeltem Sinn gebraucht: cs bezeichnet ein-mal das, was nothwendig ist in objektivem Sinn, und so trifftes auch auf das Schlechte zu, (denn auch das Schlechte ist etwasNothwendiges), sodann sagen wir vom Guten, daß es sein müsse,d. h. sein solle. Ferner: der Reinliche sitzt und steht, ist gesundund krank. Wir sagen nemlich, der stehe, welcher anfgestandenist, der sei gesund, welcher gesund geworden ist; eben aber derSitzende sollte anfgestanden, der Kranke sollte gesund gewordensein. Allein wenn wir von dem Kranken sagen, daß er etwasthue oder leide, so bezeichnetder Kranke" nicht bloß Eines, son-dern wir meinen bald den, welcher eben jetzt krank ist, resp. sitzt,bald den, welcher früher krank war. Nun kann man sowohl sagen,eS sei der Kranke gesund geworden, als es sei einer gesund ge-worden/ während er krank war; aber daß Einer gesund ist, trifft

>) Dann wird sich zeigen, daß sie auch zur Induktion gehört.

2) <ks ist, um die Beispiele entsprechend wiederzugeben, öfters nöthig, etwasfreier zu übersetzen. Auch so läßt sich nicht Alles wiedei geben.