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Vierzehntes Kapitel.
Verschiedene praktische Regeln fiir Disputationen.
Für die Uebung und theoretische Kenutniß solcher Beweis-führungen ist es zunächst sehr praktisch, wenn man sich an dieUmkehrung der Schlüsse gewöhnt. Dieß gewährt uns den Vordtheil, daß wir den Behauptungen gegenüber gerüsteter sind un-daß wir mit wenigen Begriffen viele Schlüsse zu Stande bringenkönnen. Die Umkehrung besteht darin, daß man den Schlußsatzumstellt und so, zusammen mit den übrigen Behauptungen desGegners, einen von den gegebenen Sätzen nmstößtH; wenn nem-lich der Schlußsatz nicht gilt, so muß nothwcndig einer von denVordersätzen aufgehoben werden, wenn ja doch durch die Setzungsämmtlicher Vordersätze der Schlußsatz mit Nothwendigkeit zuStande kam. Man muß ferner bei jeder Thesis den gehörigenAngriffspunkt finden, um zu behaupten und um zu widerlegen,und wenn man dieß gefunden hat, die Widerlegung sofort auf-suchen, denn auf diese Weise hat man die beste Uebung sowohlfürs Fragen als fürs Antworten. Und wenn inan gerade nichteinem Gegner gegenübersteht, so muß man für sich solche Unter-suchungen anstellen. Man muß ferner parallele Argumente zu-sammenstellcn und so für jeden Satz das zum Angriff Geeigneteauswählen; dieß verschafft den wesentlichen Vortheil, daß mandem Gegner scharf auf den Leib rücken kann, und hilft wesentlichmit zum Widerlegen, wenn man genug Gründe pro st contra,aufzuweiscn hat; denn gegen das Entgegengesetzte muß man be-sonders auf der Hut sein. Für die Erkenntuiß und philosophischeEinsicht ist es ein sehr wesentliches Hilfsmittel, wenn man imStand ist, das aus beiden Behauptungen Folgende zu überschauenund wenn inan davon eine klare Anschauung besitzt; man darfdann nur darunter die richtige Auswahl treffen. Zn diesem Ver-fahren aber muß inan von Natur das nöthige Talent haben;
1) S. xr. n. 3.