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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
Entstehung
Seite
206
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Wenn etwas bewiesen wird aus zwei Vordersätzen, welchebeide wahrscheinlich sind, aber nicht auf gleiche Weise, so ist ganzWohl möglich, daß das Bewiesene wahrscheinlicher ist, als jederder Vordersätze. Wenn aber der eine Vordersatz wahrscheinlich ist,der andere aber weder wahrscheinlich noch unwahrscheinlich, oderwenn der eine wahrscheinlich ist, der andere nicht, und wenn beideVordersätze in gleicher Weise wahrscheinlich, rsax. unwahrscheinlichsind, so ist dieß auch beim Schlußsatz der Fall; ist aber beimeinen Vordersatz ein Mehr, so wird dieses Mehr auch im Schluß-satz sich finden.

Ein Fehler beim Schließen besteht auch darin, daß man zuweitläufig beweist, während es möglich wäre, durch weniger Sätze,und zwar solche, welche im Zusammenhang begründet sind, zubeweisen. Z. B. wenn man, um den Satz zu beweisen, daß eineMeinung wahrscheinlicher ist als eine andere, fordert, daß jedes an sich am meisten sei, es gebe ferner wirklich ein Gemein-tes an sich, so daß dieses also mehr sei als das Einzelne;im Verhältniß zu diesem Mehr sei aber auch das darnach be-nannte mehr; ferner gebe es eine wahre Meinung an sich,welche genauer fei als die Einzelnmeinungen; nun ist gefordert,daß sowohl die Meinung an sich wahr sei als auch das Ge-meinte an sich am ineisten sei; also wird diese Meinung, d. h.die Meinung an sich die genauere sein. Worin liegt hier dieMangelhaftigkeit? Doch Wohl darin, daß hier der Grund, wor-auf die Beweisführung beruht, in den Hintergrund gedrängtwird.

Zwölftes Kapitel.

Von der klaren und falschen Beweisführung, und wo der Fehler imletztern Fall zu suchen ist.

Eine Beweisführung ist klar, und dieß ist der gewöhn-lichste Sinn davon wenn sie so durch die Schlußfolgerungabgeschlossen ist, daß man nichts weiter zu fragen braucht; so-dann was man auch ganz besonders darunter verstehtWenn Sätze angenommen sind, aus welchen der Schlußsatz noth-