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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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geben, z. B. wenn man zu beweisen hat, daß der Zornige nachRache strebt wegen einer offenbaren Geringschätzung und mannähme dazu den Satz, daß der Zorn ein Streben nach Rache seiwegen einer offenbaren Geringschätzung; in diesem Fall ist klar,daß wir mit dem letzteren Sah im Allgemeinen haben, was wirhaben wollen. Wenn man aber die Vordersätze ans die Sacheselbst bezieht, so kommt es oft vor, daß der Antwortende nichtzugibt, weil er in Beziehung auf die Sache selber eher eine Ein-wendung hat, wie z. B. daß der Zornige nicht nach Rache strebe;denn den Eltern zürnen wir zwar, streben aber nicht nach Rachean ihnen. Vielleicht ist nun dieser Einwand nicht zureichend;denn bei Manchen besteht die Rache lediglich im Betrüben undzur Reue bringen, allein es liegt darin doch etwas Ueberzeugen-des, so daß die Leugnung der aufgestellten Behauptung nicht un-motivirt zu sein scheint. Bei der Definition des Zorns aber istes nicht ebenso leicht, eine Einwendung zu finden.

Ferner ist es bei der Aufstellung der Vordersätze gut, wennman sich den Anschein gibt, als wäre es nicht um die Sacheselber zu thun, sondern um etwas Anderes; denn gegen das fürdie Thesis unmittelbar Dienende ist der Gegner auf der Hut.Ueberhaupt muß man so sehr als möglich im Unklaren lassen, obman den aufgestellten Vordersatz oder das ihm Gegenüberstehendegewinnen will; denn wenn das zur Beweisführung Gehörige un-klar ist, gibt der Gegner eher zu, was ihm gefällt.

Ferner muß man beim Fragen die Aehnlichkeit zu Hilfenehmen, denn da bleibt das Allgemeine mehr verborgen und istplausibler. Z. B. der Sah, daß, wie für das Entgegengesetztedas gleiche Wissen und das gleiche Nichtwissen anzunehmen ist, soauch die sinnliche Wahrnehmung des Entgegengesetzten dieselbe ist,oder umgekehrt, da die sinnliche Wahrnehmung dieselbe ist, so istauch das Wissen dasselbe. Dieß ist verwandt mit der Induktion,aber doch nicht mit ihr identisch; bei der Induktion nemlich gehenwir vom Einzelnen fort zum Allgemeinen, beim Aehnlichen aberist das, was man gewinnt, nicht das Allgemeine, unter welchemalles Aehnliche begriffen ist.

Bisweilen ist es räthlich, sich selber einen Einwand zu machen;