166
dem andern gesetzt ist. Ist nemlich eine Mehrheit von Be-griffen gesetzt, so wird die Folge sein, daß das Betreffende bei-den und keinem von beiden zukommt, wie z. B. wenn man dieGerechtigkeit definirt als Mäßigung und Tapferkeit; wenn nem-lich von zwei Personen jede eine der letzteren Eigenschaften hat,so werden beide gerecht sein und auch wieder keine von beiden,da ja beide zusammen die Gerechtigkeit haben, jede für sich abersie nicht hat. Wenn aber das eben Gesagte noch nicht ganz alsWiderspruch erscheint, weil derartiges auch sonst Vorkommen kann,(es kann ja ganz Wohl sein, daß zwei Personen zusammen eineMine besitzen, während jeder für sich sie nicht besitzt), so wirdman doch wohl einen entschiedenen Widerspruch darin erkennen,daß den Subjekten Entgegengesetztes zukommt. Dieß muß aberdie Folge sein, wenn der eine Mäßigung und Feigheit hat, derandere Tapferkeit und Unmäßigkeit; so werden nemlich beide Ge-rechtigkeit und Ungerechtigkeit haben. Wenn nemlich die Gerech-tigkeit als Mäßigung und Tapferkeit zu definiren ist, so wird dieUngerechtigkeit als Feigheit und Unmäßigkcit zu bestimmen sein.Ueberhanpt ist in der eben angegebenen Richtung alles das zuverwenden, was man dafür zu Hilfe nehmen kann, daß die Theileund das Ganze nicht identisch sind; bei der obgenannten Defi-nition werden nemlich offenbar die Theile als identisch mit demGanzen angenommen. Am meisten gehören hieher solche Begriffe,bei welchen die Zusammensetzung der einzelnen Theile deutlich ist,wie z. B. ein Haus und dgl.; es ist ja klar, daß, wenn auch dieTheile sind, doch das Ganze ganz Wohl auch nicht sein kann, so daßman also sieht, daß die Theile und das Ganze nicht identisch sind.
Ist aber die Definition nicht in der eben angegebenen Weisegefaßt, sondern ist gesagt, daß das zu Desinirende aus dem unddem bestehe, so muß man zuerst sehen, ob etwa aus den genann-ten Theilen gar keine Einheit entstehen kann; denn es gibt Dinge,die sich so zu einander verhalten, daß kein Drittes aus ihnenentsteht, wie z. B. Linie und Zahl. Ferner, ob das Definirtein irgend etwas ursprünglich und zuerst enthalten ist, die Be-standtheile aber, aus welchen es bestehen soll, nicht in diesemzunächst sind, sondern jeder in einem andern; denn es ist klar,