die Sonne definirt als das am Tage laufende Gestirn; wennman nemlich das Wort „Tag" gebraucht, so gebraucht man auch„Sonne". Um derartige Fehler aufzudecken, muß man an dieStelle des Namens den Begriff sehen, z. B. daß der Tag dieBewegung der Sonne über die Erde hin ist; es ist nemlich klar,daß der, welcher „Bewegung der Sonne über die Erde" sagt,den Namen der Sonne gebraucht, also ist „Sonne" in „Tag"mit enthalten.
Ferner: wenn man ein Eintheilungsglied durch ein solchesderselben Gattung bestimmt, z. B. das Ungerade dadurch, daß esum eine Einheit größer sei als das Gerade. Was nemlich alsEintheilungsglied zur nemlichen Gattung gehört, ist von Naturzugleich, der Art aber ist das Gerade und das Ungerade, indembeides Unterschiede der Zahl sind.
Ebenso ist es auch, wenn man die oberen Begriffe vermit-telst der unteren bestimmt, wie z. B. wenn man sagt, eine geradeZahl sei eine solche, welche sich in zwei gleiche Theile zertheilenlasse, oder das Gute sei eine Fertigkeit zur Tugend; nemlich das„in zwei gleiche Theile zertheilen" hat zum Grund die Zwei,Zwei aber ist gerade, und die Tugend ist etwas Gutes, also sinddiese Bestimmungen jenen untergeordnet. Ferner muß nothwendigder, welcher die unteren Begriffe gebraucht, auch das zu Defini-rende selbst verwenden. Wenn man nemlich den Begriff Tugendverwendet, so verwendet man eben damit den Begriff des Guten,da ja die Tugend etwas Gutes ist; ebenso wenn man sagt „inzwei gleiche Hälften", so verwendet man den Begriff des Geraden,denn „in zwei gleiche Hälften theilcn" heißt nichts anderes, als„in zwei theilen", zwei aber ist gerade.
Fünftes Kapitel.
Weitere Gesichtspunkte, welche vom Gattungsbegriff hergenommen sind.
Im Allgemeinen also besteht in dem angegebenen Verfahrendie Bildung der Definition durch das, was nicht bekannter undnicht früher ist, im einzelnen sodartn sind die genannten Fälle zu