kommen, ist es vielleicht nothwendig, die Beweisführung zu gebenvermittelst dessen, was gerade ihnen bekannt ist. So gelangt manzu solchen Definitionen, wie cs z. B. die des Punktes, der Linieund der Fläche ist; in allen diesen Fällen wird nemlich dasFrühere vermittelst des Späteren erklärt, sofern man sagt, derPunkt sei die Grenze der Linie, die Linie sei die Grenze der Fläche,die Fläche sei die Grenze des Körpers. Man darf sich indessennicht verbergen, daß es bei solchen Definitionen nicht möglich ist,das eigentliche Wesen des betreffenden Gegenstands klar zu machen,wenn es nicht gerade sich fügt, daß das uns, subjektiv, Bekanntereund das schlechthin Bekanntere Eins und Dasselbe ist, denn manmuß ja doch, um eine richtige Definition zu geben, vermittelstder Gattung und der Unterschiede desiniren, diese aber sind schlecht-hin bekannter und früher als die Art. Es wird nemlich, wennman die Gattung und den Unterschied aufhebt, zugleich auch dieArt aufgehoben, also sind Gattung und Unterschied früher als dieArt. Sie sind aber auch bekannter; wenn man nemlich die Arterkennt, so muß man nothwendig auch die Gattung und denUnterschied erkennen, (denn wer einen Menschen erkennen will,muß auch Thier und auf Füßen gehend kennen), dagegen wennman Gattung und Unterschied erkennt, muß man nicht nothwendigauch die Art erkennen, woraus folgt, daß die Art das wenigerBekannte ist. Ferner, wenn man sagt, derartige Definitionenseien richtig, welche aus dem subjektiv Bekannten gebildet werden,so wird man finden, daß man für Eins und dasselbe viele Defi-nitionen erhält; denn dem Einen ist das, dem Andern jenesbekannter, keineswegs aber Allen dasselbe, so daß man also fürJeden wieder eine andere Definition aufstellen müßte, wenn esrichtig wäre, die Definition aus dem subjektiv Bekannteren zubilden. Ferner: auch dem nemlichen Individuum ist das einemaldas, das anderemal jenes bekannter, zunächst das sinnlich Wahr-nehmbare, dann, wenn man tiefer in die Sache eindringt, dasGegentheil davon, also könnte man auch für das gleiche Indivi-duum nicht immer die gleiche Definition gebrauchen, wenn maneS für richtig hält, das individuell und subjektiv Bekanntere derDefinition zu Grund zu legen.
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