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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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weisen, denn es ist so bei jedem Lehren und Lernen so istklar, daß eine Definition, welche nicht auf solchen Bestimmungenberuht, keine Definition ist. Sonst würde es mehrere Definitionenfür Eins und Dasselbe geben. Es ist nemlich klar, daß der,welcher vermittelst des Früheren und Bekannteren definirt, einebessere Definition gibt, somit bekäme man zwei Definitionen fürEins und Dasselbe. So aber kann sich die Sache nicht Wohlverhalten; denn für jedes Ding ist das Wesen, der Begriff ebennur Eines; wenn man also mehrere Definitionen für Eins undDasselbe hätte, so müßte jede Definition das Wesen und denBegriff des zu Destnirenden enthalten. Diese Definitionen könntenaber nicht identisch sein, da sie ja immer wieder etwas Anderesenthalten. Hieraus ergibt sich, daß eine Definition nicht möglichist, welche nicht auf bekannteren und früheren Bestimmungenberuht.

Daß nun aber die eine Definition bildenden Bestimmungennicht bekannter sind, kann man auf zweierlei Weise ersehen; esfragt sich nemlich entweder ob das Unbekanntere schlechthin zuverstehen ist, oder ob es nur für uns unbekannter ist; beide Fällenemlich sind möglich. Schlechthin bekannter ist das Frühere ge-genüber dem Späteren, wie z. B. der Punkt gegenüber der Linie,die Linie gegenüber der Fläche, die Fläche gegenüber dem Körper,so auch die Einheit gegenüber der Zahl; die Einheit ist nemlichdas Frühere und der Anfang jeder Zahl; ebenso ist der Buchstabebekannter, als die Silbe. Für uns, subjektiv, ist bisweilen dasVerhältniß das umgekehrte; denn der Körper fällt mehr in denBereich der sinnlichen Wahrnehmung als die Fläche, die Flächemehr als die Linie, die Linie mehr als der Punkt. So verhältes sich bei den Meisten mit der früheren Erkenntniß; denn dasKörperliche zu erkennen ist Sache des ganz gewöhnlichen Denkens,während das andere nur durch ein genaues, höheres Denken sicherkennen läßt.

Es ist nun schlechthin besser, wenn man versucht, das Späteredurch das Frühere zu erklären, indem ein solches Verfahren ge-eigneter ist, das Wissen hervorzubringen. Allein bei Solchen, welchenicht im Stand sind, vermittelst des Früheren zur Erkenntniß zu