95
gerechter als der Andere. Wenn also die aufgestellte Gattungdas Mehr zuläßt, die Art es aber nicht zuläßt, weder sie selbst,noch das nach ihr Benannte, so ist die aufgestellte Gattung nichtdie richtige.
Ferner wenn das, was mehr oder ebenso als der aufgestellteGattungsbegriff Gattung zu sein scheint, doch nicht wirklich Gat-tung ist, so ist klar, daß es auch Sie anlgestellte Gattung nichtist. Dieser Gesichtspunkt ist namentlich in solchen Fällen zu ver-wenden, wo von der Art ihrem Begriff nach Mehreres ausgesagtwird und nicht bestimmt, resp. nicht zu bestimmen ist, welches alsGattung anmsehen ist. Z. B. was den Zorn betrifft, so kannwohl der Schmerz ebenso gut als die Vorstellung einer Gering-schätzung als das dem Begriff des Zorns entsprechende Prädikatangesehen werden; denn der Zornige empfindet Schmerz und erhat die Vorstellung, daß man ihn geringschätze. Die gleiche Be-trachtung findet auch statt, wenn man die Art mit einen: andernvergleicht; wenn nemlich dasjenige, von welchem z. B. mehr oderdoch ebenso sehr anzunehmen ist, daß es zu der ausgestellten Gat-tung gehöre, nicht zu dieser Gattung gehört, so ergib: sich daraus,daß auch die zuerst angegebene Art nicht zu dieser Gattunggehört.
Bei der Widerlegung also ist das angegebene Verfahren zubeobachten; bei der Behauptung dagegen ist dieser Gesichtspunktnicht verwendbar, wein: sowohl die aufgestellte Gattung, als dieausgestellte Art das Mehr zulassen; denn es ist ganz wohl mög-lich, daß von zwei Begriffen, welche das Mehr zulassen, doch dereine nicht Gattungsbegriff des andern ist. Z. B. das Schöne so-wohl als das Weiße läßt das Mehr zu, und doch ist keiner vonbeiden Begriffen Gattungsbegriff des andern. Von Nutzen aberist die Vergleichung der Gattungen und der Arten unter einan-der; z. B. wenn dieses ebenso gut Gattung ist, wie jenes, unddieses Gattung ist, so ist es auch jenes. Ebenso wenn das Gat-tung ist, was es weniger ist, so ist auch das Gattung, was esmehr ist; z. B. wenn von Enthaltsamkeit das Vermögen mehrGattung ist als die Tugend, die Tugend aber Gattung ist, so istauch das Vermögen Gattung. Dasselbe wird man auch Hinsicht-