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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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Uebermaß und die Stärke als Gattungen bezeichnen wollte, sowürden die unbeseelten Wesen glauben und erstaunen. Denn dieStärke und das Uebermaß sind immer bei dem, dessen Stärkeund Uebermaß sie sind. Wenn nun das Erstaunen Uebermaßder Verwunderung ist, so wird das Erstaunen bei der Verwun-derung sein, also müßte die Verwunderung in Erstaunen gerathen.Ebenso auch der Glaube wird bei der Vorstellung sein, wenn erdoch Stärke der Vorstellung ist, also müßte die Vorstellung glau-ben. Ferner müßte man bei dieser Auffassung von einer starkenStärke reden und von einem übermäßigen Uebermaß. Der Glaubenemlich ist stark; wenn nun ferner der Glaube Stärke ist, sowäre die Stärke stark. Ebenso das Erstaunen ist übermäßig;ist nun das Erstaunen ein Uebermaß, so müßte es ein übermäßigesUebermaß geben. Allein Beides scheint nicht richtig zu sein, sowenig als das Wissen etwas Gewußtes ist, oder die Bewegungetwas Bewegtes.

Bisweilen wird darin gefehlt, daß man für das Leiden, dieAfsektion, das Leidende, Afficirte als Gattung faßt, wie z. B.wenn man sagt, die Unsterblichkeit sei ewiges Leben; offenbar istnemlich die Unsterblichkeit eine Affektion, eine Entwicklungsformdes Lebens. Daß dieß richtig ist, ist leicht zu erweisen, wennman zugebcn wollte, daß einer aus einem Sterblichen ein Unsterb-licher würde; Niemand wird nemlich sagen, daß er ein anderesLeben bekomme, sondern daß bei eben diesem Leben eine besondereErscheinung, eine Affektion eintrete. Also ist das Leben nichtGattung der Unsterblichkeit.

Ferner ist es ein Fehler, wenn man sagt, Gattung desLeidens sei das, dessen Leiden es ist, wie wenn man z. B- sagt,der Wind sei bewegte Luft. Vielmehr ist der Wind eine Bewe-gung der Luft; die gleiche Luft nemlich beharrt, mag sie bewegtsein oder mag sie ruhig sein. Also ist der Wind überhaupt keineLuft; es wäre ja sonst Wind, auch wenn die Luft nicht bewegtist, wenn doch die gleiche Luft beharrt, welche Wind sein soll.Ebenso ist es auch in allen ähnlichen Fällen. Wenn man nunetwa auch hiebei zugeben müßte, daß der Wind bewegte Luft ist,so kann man solches doch nicht von allem aussagen, nicht von