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3 (1891) Poetik (3. Aufl.), Topik (Disputierkunst)
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herrscht, ist ihnen zwar unterworfen, läßt sich aber nicht von ihnentreiben. Man mag wohl sagen, daß mit beiden Eigenschaften einVermögen von der Art verbunden sei, daß der Mensch, auch wenner unter der Einwirkung der Affekte stände, doch nicht getriebenwürde, sondern sie beherrschte; allein hierin liegt nicht der Begriffvon tapfer und sanft, vielmehr besteht dieser darin, daß man vonsolcher Affektion lediglich keine Einwirkung verspürt.

Es geschieht wohl auch, daß man das irgendwie mit einerSache Verbundene als Gattung aufstellt, z. B. den Schmerz alsGattung des Zorns, die Vorstellung als Gattung des Glaubens.Die beiden genannten nemlich, Schmerz und Vorstellung, sindauf gewisse Weise mit den angegebenen Arten verbunden, alleinkeines von beiden ist Gattung; der Zornige nemlich empfindetSchmerz in der Weise, daß der Schmerz in ihm das Frühere ist;denn nicht der Zorn ist Ursache des Schmerzes, sondern umge-kehrt der Schmerz ist Ursache des Zorns, also ist der Zorn schlecht-hin nicht Schmerz seinem Wesen nach. In derselben Weise istauch der Glaube nicht Vorstellung, denn es ist möglich, daß auchein Nichtglaubender die gleiche Vorstellung habe. Dieß wäre abernicht möglich, wenn der Glaube eine Art der Vorstellung wäre;es ist ja doch nicht möglich, daß Eins und dasselbe noch fort-bestehc, wenn es ganz aus der Art geschlagen ist, wie ja auchein und dasselbe lebende Wesen nicht das einemal Mensch seinkann, das anderem«! nicht. Wenn man aber sagt, der Vorstel-lende müsse nothwendig auch glauben, so wird damit der Vorstel-lung der gleiche Umfang zugewiesen, wie dem Glauben, somit könntedie Vorstellung nicht Gattung sein, denn der Gattungsbegriff mußja immer einen weiteren Umfang haben.

Man muß ferner darauf sehen, ob Beides seiner Natur nachin Einem und Demselben sein kann; denn wo die Art ist, da istauch die Gattung, wie z. B. in dem, in welchem das Weiße ist,auch die Farbe ist, und in dem, in welchem die Sprachwissenschaftist, auch das Wissen. Wenn man nun sagt, die Scham sei Furchtoder der Zorn sei Schmerz, so tritt der Fall ein, daß Gattungund Art nicht in Einem und Demselben sind; die Scham istnemlich im Intellektuellen, die Furcht aber in dem Theil des